Nein, das ist kein grammatikalischer Fehler: "Die Wolff im Schafspelz" charakterisiert den kreativen Kreationismus-Coup der hessischen Kultusministerin Karin Wolff. Ihre Überlegungen zur
Einführung kreationistischer Positionen in den Biologie-Unterricht waren nur der wohlbedachte Auftakt für weitere Offenbarungen der ehemaligen Religionslehrerin.
Nun ist es raus: Karin Wolff ist lesbisch! Die Dienstherrin aller hessischen Lehrerinnen und Lehrer hat sich in eine Wiesbadener Ostiopathin verliebt. Das hat die CDU-Politikerin am mittwoch (4. Juli) selbst geoutet.
Im Lichte dieser Offenbarung erscheint ihre Erwägung, die biblische Schöpfungsgeschichte im Biologie-Unterricht an hessischen Schulen neben die wissenschaftlich fundierte Evolutionslehre zu stellen, in ganz neuem licht. Dieser Vorstoß war ein raffiniertes Manöver der Ministerin, um ihren erzkonservativen "Parteifreunden" bei ihrem persönlichen "Outing" den Wind aus den Segeln zu nehmen. Erst hat sie den ewig gestrigen in der CDU den Kreationismus zum Fraß vorgeworfen, um dann in aller Ruhe ungestört ihre lesbische Orientierung zu outen.
Diesen Coup hat sie mit einem genügend großen Abstand zu den anstehenden Landagswahlen Ende Januar 2008 unternommen. Ebenso wie ihr "Parteifreund" Roland Koch spekuliert auch sie dabei auf das kurze Gedächnis des gemeinen Wahlvolks.
Bis zur Wahl dürfen ihr die Erzkonservativen wegen ihrer sexuellen Orientierung nun nicht in den Rücken fallen, denn sonst lässt sie ihre Pläne zugunsten der bibeltreuen "Biologie" fallen. Eva war halt schon im Paradies falsch wie die Schlange!
An lesbische oder schwule Politiker werden sich die Konservativen nun wohl gewöhnen müssen. Nach dem Outing des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust ist das offenbar auch in der CDU kein Problem mehr.
An brutalstmöglich taktierende Politikaster wird sich die Bevölkerung ebenfalls gewöhnen müssen. Hessen kennt das ja schon längst von seinem CDU-Ministerpräsidenten. Ob beim Umgang mit Bestechungsvorwürfen der Freien Wähler oder mit der Zaunkönig-Affäre, immer wieder hat Koch seinen Hals trotz erwiesener Unwahrheiten retten können. Notfalls ließ er halt seinen damaligen Adlatus Franz-Josef Jung alt aussehen und vorläufig abtreten!
Von ihrem Kabinettskollegen und Chef scheint die Kultusministerin gut gelernt zu haben. Dass sie dabei die kreationistischen Glaubenssätze ewig gestriger fumdamentalistischer Eiferer als Gummi-Puffer für eine Fortsetzung der eigenen Karriere missbraucht, belegt ihre Skrupellosigkeit. Und es zeigt auch, dass die einstige Religionslehrerin diesen Positionen zumindestens taktisch etwas abgewinnen kann: Wenigstens als Steigbügelhalter ins Wiesbadener Kult-Ministerium sind diese Kreationisten für Wolff nützliche Idioten.