Vor dem Hintergrund des
Justiz- und Polit-Thrillers in Sachsen ist das Buch "Anklage unerwünscht" von Jürgen Roth und seinen Mitautoren Rainer Nübel und Rainer Fromm mit Spannung erwartet worden. Die Recherchen zu diesem Buch haben bereits vor seinem Erscheinen im
Eichborn-Verlag Teile des Netzwerks der deutschen Mafia ins Licht der Medien gerückt.
Der Untertitel "Korruption und Willkür in der deutschen Justiz“ erklärt schon, wessen Interessen bei der unerwünschten - also verbotenen - Anklage eine Rolle spielen.
Selten hat das Erscheinen eines Buches bei den Beschriebenen eine so unmittelbare Welle der Ignoranz, Rechtfertigung, Beschwichtigung, Tatsachen-Verschiebung und die Hoffnung auf das schlechte Gedächtnis der Öffentlichkeit ausgelöst wie bei diesem Buch! Es ist unmittelbare Zeitgeschichte! Wegen seines politischen und später einmal historischen Gehalts ist "Anklage unerwünscht“ eine Empfehlung für kommunale Bibliotheken. Diesem Buch sind viele Leser zu wünschen.
Die Autoren schildern an ganz unterschiedlichen Beispielen, dass Willkür und Korruption bei den deutschen Gerichten keine Einzelfälle sind, sondern sich flächendeckend über alle unterschiedlichen Formen der Gerichtsbarkeiten ausgebreitet haben. Dabei bewirken Staatsanwälte und Richter nicht die Lösung ungerechter Verhältnisse, sondern sind selbst ein Teil des Problems.
Im zweiten Kapitel geben die Autoren Einblick in Unregelmäßigkeiten bei der hessischen Justiz. Es geht hier um die Ende 2004 für das Oberbürgermeister-Amt in Offenbach nominierte Richterin Karin Wolski. Ihr und ihrem Ehemann, einem Rechtsanwalt, legt der Bericht zur Last, sie hätten beträchtliche Vermögenswerte eines Klienten als vorgebliche Honorare eingestrichen. Dieser Fall wurde nach Angaben der Autoren nie befriedigend ermittelt, sondern eingestellt!
Mit ihrem vierten Kapitel unter der Überschrift "Verschweigen als System" haben die Autoren den
Sachsen-Skandal ausgelöst, ohne selbst die Brisanz ihrer Veröffentlichungen vollständig überschaut zu haben. Auch in Plauen haben sich wie anderswo nach der Wende kenntnisreiche Ex- DDR-Kader und freundliche "Aufbauhelfer“ aus den alten Bundesländern aus Verwaltung und Justiz zusammen gefunden. Neue Strukturen mussten für die neuen Bundesländer geschaffen werden. Hier trafen auch Staatsdiener in Goldgräber-Stimmung zusammen, die gemeinsam ihre Süchte nach den Drogen Macht, Geld und Sex ausleben wollten. So entstand eine Mafia-Struktur, die wegen der gegenseitigen Erpressbarkeit schwer offen zu legen ist. Denn jeder der Beteiligten muss schweigen, wenn er selbst geschützt bleiben will.
Die Autoren berichten über das dreckige Geschäft mit Prostituierten und Kinderprostitutionn. Sie zeigen am Einzelbeispiel die Vernetzungen der Verantwortlichen und wie sie die Ermittlungen verhindern.
Couragierte Bürgerrechtler um die Hilfsorganisation
KARO wurden diffamiert und von der Justiz abgewiesen. Als
UNICEF über die Prostitution mit Kindern berichtete, versprach ein Leitender Angestellter des sächsischen Innenministeriums staatsanwaltliche Ermittlungen. Doch alles wurde heruntergespielt und vergessen.
Ebenso unterblieben sind konsequente Ermittlungen zu den anderen Straftaten wie Mord, Geldwäsche und Verschiebung von großen Vermögenswerten.
In sieben Kapiteln mit zwei bis vier zur Thematik passenden Abschnitten, Einleitung und Nachwort und einem Anhang für die Quellen ist das vorliegende Buch eine Fundgrube für gesellschaftskritische Bürgerbewegungen. Kriminalität in großem Stil, verübt von Regierungsbeamten bei Immobilien-Verkäufen und miesester Kinderprostitution sowie unaufgeklärten Morden, werden kenntnisreich dargestellt.
Dankens wert sind die im Nachwort aufgezeigten Gedanken, wie der Krise begegnet werden kann und wo bereits
Ansätze zur Veränderung bestehen. Kritische und selbstbewusste Beamte einschließlich der staatlichen Juristen, die sich einzig dem Grundgesetz und den nachrangigen Gesetzen verpflichtet haben, stören im gegenwärtigen System. Gewünscht sind pflegeleichte Staatsdiener, die obrigkeitsstaatliches Handeln verinnerlicht haben.
Diese Aussage wird von Beispielen gestützt, in denen verantwortungsvolle Richter von eigenen Kollegen und Vorgesetzten "kaltgestellt“ wurden.
Die Autoren berichten ausgewogen. Sie sehen die unterschiedlichen Positionen. Die Waffe, die Demokraten benutzen, ist das Wort. Die Autoren haben die Wortlosigkeit mutig durchbrochen.