Sie sind hier: Startseite > Hessen > Detailansicht



Text Gentechnik-Widerstand im Verfassungsschutz-Bericht anzeigen

Gentechnik-Widerstand im Verfassungsschutz-Bericht

Land Hessen betreibt Kriminalisierung unerwünschter Meinungen statt Aufklärung


26.05.2007 - dp


Sind Gentechnik-Gegner Terroristen? Ist der Staat in Gefahr, wenn Monsanto & Co. ihren Geschäften nicht mehr problemlos nachgehen können? Muss daher eine Mahnwache gegen ein Gentechnik-Feld schon den Verfassungsschutz auf den Plan rufen?


Ein solcher Eindruck entsteht beim Blick in den neuen hessischenVerfassungsschutz-Bericht. Dort wird dem Protest gegen den hochriskanten Gen-Gerste-Freisetzungsversuch in Gießen am Alten Steinbacher Weg ein längerer Absatz gewidmet. Auf Seite 135 ist zu lesen, dass Flugblätter verteilt wurden, „in denen für Pfingsten Aktionstage rund um ein Gen-Versuchsfeld und eine "Feld-Befreiung" in Gießen angekündigt wurden.


Ebenso furchterregend schienen Internet-Seiten zu sein: "Der Gen-Versuch wurde insbesondere im Internet durch Gegner der Gentechnologie, unter ihnen auch der Anarchist und Leiter der Projektwerkstatt, thematisiert.“


Schlimm war eine ordnungsgemäß als Demonstration angemeldete "Mahnwache gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel in unmittelbarer Nähe des
Versuchsfeldes".


Und schließlich: "Am 2. Juni kam es zu der zu diesem Zeitpunkt überraschenden Feld-Befreiung, indem Personen die Absperrungen überwanden und einen Teil der Pflanzen herausrissen. Die Polizei nahm insgesamt sechs Personen fest.“


Aus der Gruppe der "Feld-Befreier“ werden die Passagen kritisiert: "Der hessische Verfassungsschutz zeigt sich als das, was er ist: Billiger Handlanger politischer Interessen. So, wie durch diesen Bericht auch andere Aktivitäten zum Beispiel gegen die neoliberale Globalisierung oder gegen die Studiengebühren kriminalisiert werden, ist auch hier diese überflüssige Behörde aktiv für das, was gerade politisch für die Regierenden nützlich ist. Wenn etwas gesellschaftliche Gefahren bewirkt, dann ist es der unfassbare Filz zwischen Konzernen, Regierungen und Ämtern!“


Allerdings wollen die Aktiven nicht gegen die Veröffentlichung vorgehen, auch wenn zum Beispiel eine ganz ordnungsgemäße Demonstration hier plötzlich im Verfassungsschutz-Bericht erscheint. „Mit solchen Passagen zeige diese "Schnüffler-Truppe" nur, welche Ziele sie verfolgt.


Der Absatz gegen Genfeld-Befreiungen sei skandalöser als der ganze Bericht. Dass Meinungen, die von 80 Prozent der Bevölkerung unterstützt werden, im
Verfassungsschutz-Bericht auftauchen, sage mehr über die Macher des Berichts und den Innenminister als Auftraggeber aus als über die Aktionen.


Ihre Aktionen sehen die "Feld-Befreier“ auch in einer geschichtlichen Folge. Die erste öffentliche Feld-Befreiung fand am 2.6.2006 statt. Inzwischen ist am Montag (21. Mai) ein weiteres Feld mit Mon810-Mais in Gießen zerstört worden.


Mitte der 90er Jahre wurden in der Wetterau mehrfach Gen-Versuchsfelder zerstört. Einige Jahre später bezog sich der Protest auf Versuche der Universität Gießen mit Raps auf der Versuchsstation Rauischholzhausen. Die Feld-Besetzungen und -zerstörungen habennach Ansicht der Gen-Kritiker wesentlich zur öffentlichen Debatte um die Gentechnik beigetragen.


Jörg Bergstedt - 26.05.2007



© 2006 by  HU-Ortsverband Marburg