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Uns Udo muss bleiben!

Trauer über den ungebührlichen Rückzug eines aufrechten Kämpfers.


15.05.2007 - FJH


Ein eigener Fanclub unterstützte ihn bei seiner wichtigen Arbeit. Eine durchgreifende Reform der Bildung in Hessen war sein Anliegen. Leider wird er sein Lebenswerk nicht in der gewünschten Form vollenden. Am Montag (14. Mai) kündigte der hessische Wissenschaftsminister Udo Corts seinen Rückzug aus der Politik an.


Kaum glauben mag man, dass dem streitbaren Minister die ewig gestrigen Gegner von Studiengebühren aufs Gemüt geschlagen sein könnten. Diese Chaoten haben doch nur nicht verstanden, welch weltbewegende Wahrheit Corts erkannt und umgesetzt hat: Bildung muss sich wieder lohnen!


Wenn nur wenige das Privileg einer umfassenden Bildung genießen, dann entsteht hinterher auch keinerlei Rangelei um die besseren Posten. Wenn das Scheckbuch und das Familien-Vermögen darüber bestimmen, wer wie lange wo studieren kann, dann drängen nicht Tausende unkultivierter Chaoten in die Universitäten hinein und – wichtiger noch – auf die Straße!


"Da könnte ja jeder kommen!" Gerade das wollte Corts mit seinem Vorstoß für die Einführung von Studiengebühren in Hessen vermeiden. Deshalb hat er das Hessische Studienbeitragsgesetz (HstuBeiG) in den Landtag eingebracht.


Dass Artikel 59 der Landesverfassung Studiengebühren eigentlich verbietet, war eine schwierige Nuss für ihn. Doch die hat er mit Hilfe des Berliner Staatsrechtlers Christian Graf Pestalozza gut geknackt: Das Verbot ist schließlich längst obsolet und war ja eigentlich ganz anders gemeint!


Wenn man einigen Studienwilligen Darlehen anbietet und braven Aspiranten mit Stipendien winkt, dann wird der Staatsgerichtshof in Wiesbaden dem Minister schon folgen!


Das angestrebte Ziel einer Elite-Universität wird dadurch auch nur sehr geringfügig verwässert. Nur die Strebsamen und Beugsamen dürfen noch mit hinein in die edlen Elfenbeintürme teuren Wissens. Alle anderen müssen draußen bleiben.


Die Begeisterung der rechten und billigen Leute war dem tapferen Minister ob dieses Kampfes für die wertvolle Bildung sicher. Gewiss: Die pöbelnden Massen beschimpften und beleidigten ihn, wo immer auch er im schönen Hessenlande auftrat. Nur unter Polizeischutz konnte er sich noch bewegen.


Selbst einige angebliche Parteifreunde sollen nicht immer nett gewesen sein zu unserem tapferen Universitäts-Umkrempler. Doch ist solch ungebührliches Verhalten ein Grund, die Ämter einfach aufzugeben?


In letzter Zeit soll Minister Corts seine Arbeit angeblich nur noch sehr lustlos erledigt haben.Der harte Stil der Auseinandersetzungen in der hessischen Landespolitik sei ihm auf den Magen geschlagen, wollen einige aufmerksame Beobachter wissen. Doch das muss ein neoliberaler Reformer wie Corts halt aushalten. Schließlich ist eine solch revolutionäre Tat wie die Privatisierung der Hochschulen kein gemütlicher Spaziergang!


Nein, Udo, so geht das nicht! Wer einmal "Ja" sagt, der muss nach gutem altem christlichem Brauch auch "Amen" sagen.


Wenn Du Dich nun feige flüchtest vor den finsteren Folgen Deines tüchtigen Tuns, dann könnten einfachere Gemüter doch glatt auf den Gedanken kommen, Du selbst hättest Deine Ideen für falsch erkannt. Das grenzt ja geradezu an Verrat!


Dein Fanclub wird das sicherlich nicht kommentarlos hinnehmen. Schließlich hat er Dir schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Denk mal darüber nach, ob Du diese wackeren Mitstreiter wirklich enttäuschen willst!


Franz-Josef Hanke - 15.05.2007



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