Ein Friedenspreis für den Oberkommandeur zweier Kriege
09.10.2009 - FJH
Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis. Das gab das norwegische Nobelpreis-Komittee am Freitag (9. Oktober) bekannt. Doch ist diese Wahl wirklich im Sinne des Stifters Alfred Nobel und seiner Vertrauten Bertha von Suttner?
Wenn man sich ehrlich fragt, wer im Jahr 2009 am meisten für den Weltfrieden getan hat, dann ist Obama sicherlich nicht der falscheste Name. Sein Vorschlag zugunsten einer weltweiten Abrüstung und sein Verzicht auf das Raketen-Projekt seines Amtsvorgängers George W. Bush sind deutliche Aktivitäten für den Frieden.
Gleichzeitig ist Obama aber auch Oberkommandeur der US-Armee, die immer noch im Irak unterwegs ist. Hier ist Obama allerdings dabei, seine Truppen zurückzuziehen.
anders verhält es sich mit Afghanistan. Hier debattieren US-amerikanische Militärs und Politiker gerade jetzt über eine Aufstockung der Truppen.
Strenge Pazifisten könnten Obama also nicht unbedingt als Ihresgleichen akzeptieren. Auch wenn er im Vergleich zu seinem Amtsvorgänger Bush heradezu als Friedensengel erscheinen mag, ist er doch ein Realpolitiker, der seine Macht erhalten will und muss.
Vielleicht hat die Jury ihn aber gerade deswegen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Diese Auszeichnung könnte eine ausgezeichnete Möglichkeit sein, Obama zum Jagen zu tragen: Nun also bitte Butter bei die Fische!
Das Komittee wollte ihm den Rücken gegenüber den Erzkonservativen in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) stärken, die ihn schon lange argwöhnisch beäugen. Und es wollte ihn mit milden Mitteln zwingen, seinen großen Worten ebenso große Taten folgen zu lassen. Vielleicht findet er ja auch für den Afghanistan-Krieg eine diplomatische Lösung. US-Dollars könnten da manchen einstigen Kampfgefährten der Taliban möglicherweise ja überzeugen, die Seiten zu wechseln.
Mit dem Nobelpreis im Rücken kann Obama das Eine oder Andere dann doch ein wenig friedlicher angehen. Den Einen oder Anderen mag er möglicherweise ein wenig eher erreichen. Warten wir also ab, was aus der Ehrung auf Vorschuss wird!
Franz-Josef Hanke - 09.10.2009