Abchasien flüchtet ins Gefängnis
07.10.2009 - mp
Abchasien ist ein ziemlich kleines Land. Vergleichen könnte man die georgische Region mit dem Saarland. Doch trotz seiner geringen Größe von nur 8,600 Quadratkilometern und nur gut 200.000 Einwohnern bereitet Abchasien der Welt große Kopfschmerzen.
Seit über 100 Jahren stellen die Georgier die größte Bevölkerungsgruppe in Abchasien. Bei der Volkszählung 1989 betrug der Anteil der Abchasen mit nur 17,8% deutlich weniger als die hälfte des Anteils der Georgier von immerhin 45,7%.
Dennoch strebt Abchasien – ebenso wie die Nachbar-Republik Südossetien – nach Unabhängigkeit von Georgien. Georgische Truppen sind deswegen am 7. August 2008 in Südossetien einmarschiert.
Völkerrechtlich gesehen, hat Georgien damit allerdings nur Soldaten in ein Gebiet geschickt, das zu Georgien gehört. Dennoch hat der georgische Präsident Dabei mit dem Feuer gespielt, denn Gegenspieler in diesem Konflikt war das ungleich größere Russland.
Mikheil Saakashvili mag sich wohl gedacht haben, dass er wahre Größe zeigen könnte, wenn er den "großen Bruder" herausfordert. Zudem fühlte er sich durch den damaligen US-Präsidenten George W. Bush ermutigt, der ihn im Zweifel schon schützen würde.
Das Ende vom garstigen Lied war ein Einmarsch russischer Truppen in Georgien. Und auch die georgische Provinz Abchasien ist nach diesem Krieg im Kaukasus noch härter auf dem Separatismus-Tripp als vorher schon.
Das Schöne Land am schwarzen Meer weckt Begehrlichkeiten. Auf beiden Seiten spekulieren seine Nachbarn auf die landschaftlichen Reichtümer.
Der abchasische Präsident Sergei Bagapsch strebt nach Eigenstaatlichkeit. Nach langjähriger "Unterdrückung" durch Georgien hat die Region die Chance bekommen, endlich einmal die Unabhängigkeit zu erlangen. Dabei muss man aber anmerken, dass die völkerrechtliche Anerkennung Abchasiens nicht von der Völkergemeinschaft erfolgt ist, sondern dass nur einzelne Staaten dieses Land als Staat betrachten. Dabei missachten sie das internationale Völkerrecht.
Eine Antwort auf die Quizfrage fällt wohl nicht schwer: Wer diese Staaten sind, sollte wahrscheinlich fast jeder wissen.
Paradox erscheint die Sache nun allerdings. Einerseits strebt man nach Eigenstaatlichkeit, andererseits stürzt man in die "totale Abhängigkeit".
Denn die soziale, militärisch-politische und wirtschaftliche Präsenz Russlands in Abchasien könnte man nicht anders definieren denn als absolute Abhängigkeit.
Im Gegensatz zur Europäischen Integration läuft die "Russische Integration" hervorragend für Abchasien, ohne Tschechische und Irische "Einwände". Eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung in der Region besitzt schließlich schon einen russischen Pass.
In den abchasischen Schulen leistet das russische "propaganda" Ministerium eine hervorragende Arbeit: Die georgische Sprache wurde in den Schulen und Ämtern verboten.
Ich appelliere an die abchasische Führung: seien Sie bitte, bitte nicht so naiv! Und wenn der Sand Ihnen bis zum Hals steigt, wird es zu spät für die Rettungsaktion sein.
Bildet euch, fördert und fordert die wahre Demokratie und nicht ein totalitäres, imperialistisches und die Menschenrechte verachtendes Regime! Schließlich leben wir nicht mehr in den Zeiten der italienischen Renaissance, als die revolutionären Erkenntnisse vom Niccolo Machiavelli maßgeblich für die internationale Politik waren. Oder etwa doch?
Mikheil Peradze - 07.10.2009