Das Bekenntnis zur Demokratie wird in Georgien nicht bestritten. Allerdings ist der Weg dorthin durch die andauernden Transformationsprozesse lang und gleichzeitig steinig. Der Weg zu Demokratie und Wohlstand der Gesellschaft ist natürlich ohne eine freie und kritische Öffentlichkeit nicht möglich. Das georgische Fernsehen ist ein interessantes Beispiel dafür, wie ein Volk sich selbst die Informationsfreiheit erkämpft.
In einer Zeit, wo das Land sowohl außenpolitisch als auch innenpolitisch tief in der Krise steckt, findet in Georgien auch ein Strukturwandel der öffentlichen Meinungsbildung statt. Wehrend der "Rosenrevolution" stand das öffentlich-rechtliche Fernsehen noch auf Seiten des Volkes. Wegen zunehmender Parteinahme für den Präsidenten Mikheil Saakashvili ist es zwischenzeitlich aber immer stärker unter Kritik geraten. Als Folge hat sich ein neues Fernsehprogramm herausgebildet, das eine rein informative Funktion inne hat.
Seine Sendungen heißen auch "No Comments". Sie beleuchten das gesamte politische und soziale Geschehen im Land, ohne ein kommentierendes Wort darüber zu verlieren. Allein anhand der ausgestrahlten Bilder können sich die Zuschauer selbst eine eigene Meinung bilden.
Einerseits hat die georgische Regierung das bereits bestehende Fernsehen offenbar unter ihre Kontrolle gebracht. Andererseits hat sie die Gründung des neuen Kanals nicht verhindert.
Der Kanal mit dem Namen "Maestro" strahlt sein Programm sowohl terrestrisch aus als auch über das Internet. Interessierte können sie dort unter
www.maestro.ge abrufen. Um einer befürchteten Zensur etgegenzuwirken, werden Sendungnen zusätzlich auch auf YouTube veröffentlicht.
Mit der Herstellung zumindest einer gewissen Programm-Vielfalt liefert Georgien ein Vorbild für die Entwicklung einer freien Meinungsbildung in einem Gesellschaftssystem, das auf dem Weg zur Demokratie noch eine steinige Durststrecke vor sich hat. Zugleich darf man darauf hoffen, dass die georgische Bevölkerung auf diesem Weg auch weiterhin zielstrebig voranschreiten wird.