Groß sind Trauer und Entsetzen nach dem Amoklauf eines ehemaligen Schülers im baden-württembergischen Winnenden. Der 17-jährige Tim hatte die Mittlere Reife an der Albertville-Realschule erworben, wo er am Mittwoch (11. März) ein Blutbad anrichtete. Nun ertönen erneut Fragen und Forderungen, wie eine solche Tat künftig verhindert werden kann.
15 Menschen hat Tim getötet. Neun weitere Personen wurden bei seinem Amoklauf verletzt. Auch er selbst kam bei einem Schusswechsel mit der Polizei zu Tode. Nach offiziellen Angaben tötete er sich allerdings selbst.
Vor allem Mädchen und Frauen wurden Opfer des schießwütigen Ex-Schülers. Mit gezielten Kopfschüssen richtete er die wehrlosen Schülerinnen regelrecht hin. Unklar ist jedoch, ob er damit Rache am weiblichen Geschlecht übte oder die Mädchen nur sterben mussten, weil sie am nächsten an der Tür ihres Klassenraums saßen.
Tim galt als "unauffällig". Ein wenig schüchtern sei der 17-jährige Jugendliche gewesen, erklärten Bewohner seines Heimatorts.
Ein Mitschüler hatte sich in jüngster Zeit von Tim distanziert. Er sei "ein wenig komisch geworden", seit er in einem Sportschützen-Verein mitgemacht habe, berichtete der junge Mann.
Ebenso wie Tim war auch sein Vater passionierter Sportschütze. 14 verschiedene Waffen bewahrte der Vater in der Wohnung auf. Eine davon hatte sich Tim am Mittwochmorgen genommen und war damit zu seiner ehemaligen Schule gegangen.
Zusammen mit der Pistole vom Kaliber 9 Millimeter hatte er auch 100 Schuss Munition bei sich. 60 Patronen hat er wohl auch abgefeuert.
Auch Robert Steinhäuser war Sportschütze. Im April 2002 tötete er 17 Menschen bei einem Amoklauf im Gutenberg-Gymnasium in Erfurt.
Auf den unseligen Einfluss der Lobbys von Jägern und Sportschützen hat der damalige Bundespräsident Johannes Rau in seiner Trauerrrede in Erfurt bereits hingewiesen. Zwar wurde das Waffenrecht seither geändert, doch nach wie vor können Waffen-Fetischisten ganze Waffenarsenale in ihrer Wohnung aufbewahren!
Dennoch erklärte der SPD-Politiker Sebastian Edati als Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses, das Waffenrecht in Deutschland sei "auf der Höhe der Zeit". Auch der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach sprach sich trotz der Bluttat von Winnenden gegen eine Verschärfung des Waffenrechts aus. Ist diesen – sonst doch immer so um die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger besorgten – Politikern die Sicherheit der Menschen weniger wichtig als der Profit der Pistolen- und Gewehr-Fabriken?
Doch nicht nur leicht verfügbare Waffen, sondern auch gewaltverherrlichende oder dagegen abstumpfende Videospiele gelten als Mitverursacher von Amokläufen junger Menschen. Zwar wurde auch ihr Verkauf an Jugendliche verboten, doch ist die strikte Einhaltung dieses Gesetzes ebenso fraglich wie die Einhaltung ähnlicher Regelungen zur Abgabe alkoholischer Getränke an Kinder und Jugendliche.
Ohnehin ist Gewalt in dieser Gesellschaft leider alltäglich: Allabendlich flimmert sie in unzähligen Berichten der Nachrichtensendungen über die Mattscheibe. Allabendlich macht sie sich in zahllosen Krimis dort breit. Tagtäglich praktizieren Tausende rüdesten Egoismus getreu der
neoliberalen Maxime "Jeder für sich und gegen alle anderen!"
Amokläufe verzweifelter junger Menschen sind ein erschreckendes Alarmsignal. Ebenso wie die derzeit
grassierende Wirtschaftskrise sollten sie eine Mahnung sein, vom grenzenlos gierigen Egoismus und der menschenverachtenden Wegwerf-Wirtschaft umzukehren zu einem solidarischen Miteinander. Statt des kriegerischen Wettbewerbs eines jeden gegen jeden benötigen die Menschen eine verantwortungsbewusste und solidarische Gesellschaft.