Der von Augenzeugen bezeugte feige Mord eines Polizisten an einem 15-Jährigen hat ganz Griechenland in Aufruhr gestürzt. Die Bevölkerung steht momentan offenbar mehrheitlich gegen diese Polizei. Die griechische Regierung ist wie gelähmt und kurz vor dem Abdanken.
In vielen Städten Griechenland solidarisierten sich Hunderte - in Athen Tausende - vornehmlich junger Menschen und nahmen aktiv an den Protestaktionen teil. Laut einheimischen Beobachtern sind die Protestierenden die Söhne und Töchter der städtischen Mittelschichten so wie 1968 in Deutschland nach der Ermordung Benno Ohnesorgs.
Teils kam es zu Krawall-artigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. In den Innenstädten klirrten die Scheiben vieler Banken. Läden in den teuersten Innenstadt-Lagen wurden in Brand gesetzt.
Schulen und Universitäten blieben am Montag (8. Dezember) wie auch am Dienstag (9. Dezember) geschlossen. Viele Lehrer solidarisierten sich mit den Jugendlichen.
Das Land hält derzeit den Atem an. Auch viele Läden hatten zu. Das Weihnachtsgeschäft fällt vorübergehend aus.
Für Mittwoch (10. Dezember) ist ein Generalstreik gegen die Rentenreform ausgerufen.
Auch im Ausland kam es zu Solidaritäts-Aktionen. In Berlin wurde acht Stunden lang das griechische Generalkonsulat besetzt. In London wurden fünf der Demonstranten, die vor der griechischen Botschaft ihren Protest ausdrückten, verhaftet.
Die aussagefähigsten Presseberichte fand man in Deutschland in der Berliner
Tageszeitung vom 8. Dezember. Eine unglaublich schlechte Korrespondenten-Wahl und einseitige Berichterstattung lieferte erneut ausgerechnet der komplett gebührenfinanzierte Deutschlandfunk. Die dortigen Nachrichten-Redaktionen sind im Gegensatz zu den Fachredaktionen des Senders für Schwarzfilz-Brillen und unjournalistische Arbeit leider bekannt.
Der in Athen in Untersuchungshaft genommene polizeiliche Todesschütze behauptete, er habe eigentlich nur Warnschüsse abgegeben. Diese Aussage wird von Augenzeugen und einem Video angeblich völlig widerlegt.
Nur einer seiner Rechtsanwälte legte sein Mandat nieder. Er könne einen "solchen Mandanten" aus Gewissensgründen nicht verteidigen, sagte er.
Die Regierung spielt auf Zeit. Der angebotene Rücktritt des Innenministers wurde vom Ministerpräsidenten nicht angenommen. Zu wackelig erschien dem Regierungschef offenbar die eigene Lage.
In einem Kondolenzbrief machte Konstantin Karamanlis das Versprechen, man werde den Vorfall klären und die Schuldigen streng bestrafen. Das erscheint vor dem Hintergrund früherer Erfahrungen wenig glaubhaft.
In den letzten 23 jahren kam es zweimal zu ähnlich anrüchigen Todesfällen durch Polizei-Einwirkung. Beide Male kamen die Täter ungestraft davon.
Erst 2007 wurde erneut ein Student in Thessaloniki von Polizisten fast zum Krüppel geprügelt, ohne dass die verbeamteten Täter mehr als eine lächerliche Geldstrafe erhielten, berichtete die Tageszeitung.
"Der Tod des Jungen war ein Stich ins Herz des Rechtsstaates", hat Staatspräsident Karolos Papoulias kommentiert.
Der Vorsitzende der Handelskammer von Athen, Dimitris Armenakis, wird vom Taz-Korespondenten zitiert mit den Worten: "Wenn ein Kind getötet wird, hat es keinen Sinn, über unsere Sachschäden zu reden."
Ausländischen Beobachtern bleibt ur, zu hoffen, dass die griechische Demokratie die Fähigkeit zur Selbstreinigung besitzen wird.