"Change!" Mit diesem Wort hat Barack Obama einen Wechsel in der Politik eingefordert. Bei der Präsidentschaftswahl der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) am Dienstag (4. November) ist dieser Wechsel gelungen: Mit Obama wird erstmals ein "African American" Präsident der USA.
Doch der Senator aus Chikago hat seinen Wahlkampf nicht als Vertreter der dunkelhäutigen Bevölkerung geführt. Vielmehr hat er sich als "Brückenbauer" präsentiert, der vor allem gut zuhören und Probleme möglichst im Konsens lösen möchte.
Schon kurz nach 5 Uhr mitteleuropäischer Zeit hat sein Kontrahent John McKain am Mittwoch (5. November) dem wahlsieger gratuliert. Zu diesem Zeitpunkt hatte Obama bereits 338 Wahlmänner hinter sich vereinigt, während McKain es auch Stunden später nur auf 160 gebracht hatte.
Dennoch sollte das deutliche Ergebnis bei den Wahlmännern der verschiedenen US-Bundesstaaten nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Vorsprung Obamas bei den Wählerstimmen gerade einmal drei Prozentpunkte ausmacht. Während er im Landesdurchschnitt gut 51 Prozent der Wähler hinter sich vereinen konnte, brachte McCain es immerhin noch auf 48 Prozent.
Nicht hinwegtäuschen sollte man sich auch darüber, dass Obama als 44. Präsident der USA genauso gezwungen sein wird,
Großmacht-Politik zu betreiben wie seine Vorgänger. Allerdings wird er das wohl einfühlsamer und rücksichtsvoller tun als sein direkter Amtsvorgänger.
George W. Bush dürfte als der schlechteste US-Präsident überhaupt in die Geschichte eingehen. Seine Maßlosigkeit, seine kriegstreiberische Politik und seine Ignoranz im Umgang mit Freiheits- und Bürgerrechten haben bei dieser Wahl eine deutliche Abfuhr von den Stimmberechtigten erhalten.
213 Millionen US-Bürger waren am Dienstag wahlberechtigt. Mit zwischen 70 und 80 Prozent lag die Wahlbeteiligung diesmal so hoch wie noch nie. Das ist sicherlich auch ein Verdienst Obamas, der insbesondere junge Leute mobilisieren konnte.
Gewonnen hat er seine Wahl auch über das Internet. Blogs haben dabei eine wichtige Rolle gespielt. Dort hat Obama Geld gesammelt und Menschen motiviert, für ihn Wahlkampf zu betreiben.
Die "Basisbewegung" zugunsten von Obama wird er vielleicht auch künftig nutzen müssen. Erhebliche Schwierigkeiten stehen ihm als Präsident bevor: Er muss die
schlimmste Finanz- und Wirtschaftskrise der US-Geschichte bewältigen, eine jahrzehntelang vernachlässigte Sozialpolitik ganz neu aufbauen und den versprochenen Umschwung zu einer umweltfreundlichen Politik bewerkstelligen. Und Obama muss die US-Truppen aus dem Irak zurückholen!
Noch fordert er indes eine Truppenverstärkung in Afghanistan. Hier möchte Obama die Verbündeten der USA in der Nord-Atlantischen Vertragsorganisation (NATO) stärker beteiligen. Doch da wird er sich wahrscheinlich eine ebenso blutige Nase holen wie Bush im Irak.
Wiederholt wurde Obama mit dem einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy verglichen. Er sei ebenso charismatisch und telegen, meinten viele Kommentatoren. Ihm und den USA ist nur zu wünschen, dass er nicht das Schicksal Kennedys erleiden wird, den ein heimtückisches Attentat beseitigte.
"The Party is over, when the fat Lady sings", sagt eine amerikanische Redensart. Das Spiel ist erst dann vorbei, wenn nach der Vereidigung des Präsidenten die Nationalhymne erklingt. Das wird voraussichtlich am 20. Januar 2009 der Fall sein.