Während die ursprünglich für Dienstag (4. November) geplante
Wahl einer neuen Ministerpräsidentin im Hessischen Landtag nur einen Tag vorher abgesagt werden musste, wählen die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) an diesem Tag einen neuen Präsidenten. Wenn es nach den Europäern ginge, würde Barack Obama gewinnen. Doch wenngleich sein Vorsprung vor John McKain auch in den USA nach jüngsten Umfragen immer noch bei runden sieben Prozent liegt, wird es doch knapp.
Die ersten Wahllokale werden gegen 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit im US-Bundesstaat Newhampshire öffnen. Am Mittwoch (5. November) werden dann voraussichtlich die Ergebnisse aus den verschiedenen Bundesstaaten eintrudeln.
Nach der ersten Wahl des derzeitigen Amtsinhabers George W. Bush wurden Unregelmäßigkeiten bei der Auswertung von Ergebnissen der Wahlmaschinen festgestellt. Deswegen stellt sich auch jetzt wieder die Frage: Wird dieser Urnengang ohne Wahlfälschung und auch sonst mit – nicht politisch gemeint – rechten Dingen zugehen?
Letztlich haben die Amerikaner aber nur die Wahl zwischen Pest und Windpocken: Vollkommen friedlich und frei von populistischem Opportunismus sind beide Kandidaten nicht.
Zweifellos ist Obama ein charismatischer Redner. Ohne Zweifel ist er liberaler und etwas weniger kriegerisch eingestellt als sein Rivale. Doch ebenso wie McCain plädiert auch er für eine Aufstockung der NATO-Kontingente in Afghanistan. Auch Obama wird im Falle seiner Wahl die Weltmacht-Politik fortsetzen, die Bush nur sehr großmäulig und ignorant durchgezogen hat.
Freilich wird er es etwas verbindlicher tun als Bush. Und er wird mehr mit den Verbündeten der USA reden als der derzeitige Präsident. Doch eine Führungsrolle in der Welt wird auch er für die USA beanspruchen, wenn er ins Weiße Haus einzieht.
Ob das letztlich geschieht, wird selbst unmittelbar nach der Wahl noch nicht feststehen. Zu viele unvorhergesehene Ereignisse können noch dazwischenkommen!
Schließlich hat Obama auch eine dunkle Hautfarbe. Das mag ihn vielen Menschen in Afrika sympathisch erscheinen lassen, doch in den USA bedeutet das für viele eher etwas Negatives. Die Zeiten eines rassistischen Ku-Klux-Clan sind zwar vorbei, doch dessen Ideen sind damit noch lange nicht vollständig von der Bildfläche verschwunden.
Latente Ressentiments sind manchmal stärker, als man gemeinhin glaubt. So scheint die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) auch heute noch ein heimliches Problem mit Frauen in Führungspositionen zu haben. Oder ist es ein Zufall, dass mit Heide Simonis und Andrea Ypsilanti ausgerechnet zwei Frauen von rechten Heckenschützen abserviert worden sind?