Die Niederschlagung des "Prager Frühlings" jährt sich am Donnerstag (21. August) zum 40. Mal. Truppen des Warschauer Pakts sind am 21. August 1968 in der Tschechoslowakei einmarschiert. Dem "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" des Reform-Kommunisten Alexander Dubcek zeigten sie die hässliche Fratze der Macht.
Persönliche Erinnerungen an diesen Vorfall kommen hoch. Weitab des gefährlichen Geschehens, wiegten wir uns seinerzeit dennoch nicht in Sicherheit. Auch wenn sie nicht gerade groß war, so schwebte bei allen Berichten doch die Sorge mit, der "Kalte Krieg" könnte sich in einen heißen Waffengang verwandeln.
Wenige Tage vor der Intervention stand in der Kölnischen Rundschau ein Artikel über Dubcek. Er wurde gefragt, warum er immer lächele. Seine Antwort lautete: "Ich bin eben eine Frohnatur."
Das Lächeln oder Lachen wird ihm spätestens nach der Intervention ergangen sein. Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei wurde in Moskau extrem unter Druck gesetzt.
Derweil wehrte sich das tschechiche Volk auf mutige und zugleich kluge Weise: Alle Orts- und Straßenschilder wurden ausgetauscht. Wo immer die Interventionstruppen auch hinkamen, überall lasen die Soldaten "Dubcek".
"Dubcek, Dubcek" riefen die Menschen überall. Die Soldaten der angeblich zu Hilfe gerufenen Brudervölker" hörten es, wo immer sie hinkamen. Die Begründung ihrer Vorgesetzten, dieser Dubcek habe sein Volk verraten und das tschechiche Brudervolk habe deswegen seine sozialistischen Freunde zu Hilfe gerufen, geriet so ins Wanken. Nach zwei Wochen mussten die Soldaten größtenteils ausgetauscht werden.
All diese Vorgänge verfolgten die Menschen im Westen seinerzeit aufmerksam und zugleich auch ein wenig aufgeregt. Das Fernsehen lieferte viele Bilder, die damals noch niemand kritisch hinterfragte.
Mit der Niederschlagung des "Prager Frühlings" hat sich die Sowjetunion gerade bei der jüngeren Generation viele Sympathien endgültig verscherzt.
Ähnliches könnte sich nun auch bei der russischen
Intervention in Georgien wiederholen. Zwar wiederholt sich die Geschichte nicht genauso, wie sie schon einmal stattgefunden hat. Die Aggression ging hier auch nicht zuerst von der russischen Seite aus. Dennoch war ihre Antwort darauf inakzeptabel.
Damals wie heute geht es um das Abstecken von Claims. Die Machtansprüche über eine bestimmte Region stehen im Mittelpunkt.
Spannend ist die Frage, wie wohl die Menschen in 40 Jahren über den Krieg im Kaukasus denken werden. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand werden sich auch hier die wahren Vorgänge wohl mehr und mehr herausdestillieren lassen.
Die Niederschlagung des "Prager Frühlings" jedenfalls war für den Warschauer Pakt letztlich ein Pyrrhus-Sieg. Langfristig hat diese Aktion mehr gekostet als eingebracht. Am Ende hat die Gerechtigkeit gesiegt.