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Wirklich ein neuer Kennedy?

Obamas Rede in Berlin erntete viel Lob


25.07.2008 - FJH


Das Lob war nahezu einmütig. Medien und Politik feierten Barack Obama als "neuen Kennedy". In seinem Kampf um die US-Präsidentschaft hatte der 46-jährige Senator aus Illinois am Donnerstag (24. Juli) vor der Berliner Siegessäule eine 25-minütige Rede gehalten.


Noch hat die Demokratische Partei der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) Obama nicht offiziell zu ihrem Kandidaten gekürt. Doch schon sehen viele in ihm den nächsten US-Präsidenten.


Sollte Obama tatsächlich ins Weiße Haus einziehen, wird auch er dort sicherlich Weltmacht-Politik betreiben. Anders ist dieses Amt kaum zu handhaben. Daran wird wohl auch sein Versprechen nur wenig ändern, die Verbündeten künftig intensiver in Entscheidungen mit einzubeziehen.


Diese Ankündigung bei seiner Berliner Rede hat sogar einen bösen Pferdefuß: Offen forderte Obama die Europäer auf, "mehr Verantwortung" zu übernehmen. Konkret bedeutete das für ihn, dass sie – auch Deutschland – die Truppen-Kontingente in Afghanistan erhöhen sollen. Das forderte Obama in Berlin ganz unmissverständlich.


Auch wenn Obama visionäre Vorstellungen vortrug und forderte, nie wieder dürften Mauern errichtet werden wegen unterschiedlicher Religionen, Hautfarben oder Nationalitäten, so wird auch dieser dunkelhäutige Politiker seine Arbeit vor allem auf die Gewinnung und den Erhalt von Macht ausrichten. Allerdings wird er das voraussichtlich etwas einfühlsamer und klüger anstellen als der jetzige US-Präsident George W. Bush.


Bush zuliebe hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Auftritt Obamas direkt vor dem Brandenburger Tor verhindert. Sie scheint dem erzkonservativen Haudegen im Weißen Haus sehr verpflichtet zu sein!


Ansonsten aber überwiegt auch in der deutschen Bevölkerung die Hoffnung, Obama werde vieles besser machen als Bush. Immerhin hat er schon angekündigt, er wolle dem Klimaschutz oberste Priorität einräumen.


Der viel bemühte Vergleich mit dem einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy schließlich ist nicht ungefährlich: Zwar hat sich Kennedy 1963 mit seinem Satz "Ich bin ein Berliner" in die Herzen der Bewohner der damals geteilten Stadt hinein gesprochen, doch hat seine Politik einer vorsichtigen Annäherung an faire Verhandlungen mit dem sowjetischen Generalsekretär Nikita Chrustschow ihn möglicherweise das Leben gekostet. Dieses Schicksal mögen selbst scharfe Kritiker Barack Obama nicht wünschen.


Franz-Josef Hanke - 25.07.2008



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