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Angela Merkel weiß Rat in der Not

Gentechnik und Atomkraft als Ausweg aus der Armut


05.07.2008 - FJH


Angela Merkel weiß Rat in der Not: Gegen die Verteuerung von Nahrungsmitteln möchte sie Gentechnik einsetzen. Gegen die Erhöhung der Strompreise will die Bundeskanzlerin mit Atomkraft angehen. Die Folgen der zügellosen Industrialisierung möchte sie also mit genau den Methoden bekämpfen, die verantwortlich sind für die aktuelle Katastrophe.


Mit ihren Vorschlägen hat die Kanzlerin im Vorfeld des G8-Gipfels auf der japanischen Insel Hokaido einen Ausweg aus der Entwicklung massiver Preissteigerungen für Nahrung und Treibstoffe weisen wollen. Die Sicherung der Nahrungsgrundlagen und wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz hat die Bundeskanzlerin zu den wichtigsten Themen des Treffens erklärt.


Die vielbeschworene Klima-Katastrophe hat schließlich doch tatsächlich zu einem Umdenken geführt: Weg vom Öl und hin zu nachwachsenden Rohstoffen lautete die Devise. Motor dieser Entwicklung war allerdings weniger der Wunsch nach einer saubereren Umwelt als vielmehr die drohende Verknappung des flüssigen Rohstoffs.


Erdöl war einfach zu teuer geworden. Schuld daran war aber neben den begrenzten Ressourcen vor allem die dreiste Spekulation vieler moderner Raubritter, die sich "Börsianer" schimpfen.


Eine Ausweichmöglichkeit bot angesichts dieser Teuerung ein Umsteigen auf nachwachsende Rohstoffe. Rapsöl schien nun eine günstigere Alternative zum Erdöl zu sein. Und so verkündete Bundesumweltminister Sigmar Gabriel eine Regelung, wonach ein gewisser Anteil an den Treibstoffen künftig auf pflanzlicher Basis hergestellt werden solle.


Da auch diese Entwicklung im Zeitalter globalisierter Wirtschaftsstrukturen weltweit abläuft, sprangen auch hier sofort wieder die Spekulanten auf den anfahrenden Zug auf: Ihre Gewinn-Erwartungen steigerten aber nicht nur die Preise für Kraftstoffe auf pflanzlicher Basis, sondern dazu gleich auch noch die Kosten für Nahrungsmittel. Schließlich konkurrieren die Kraftstoffe aus Pflanzenöl mit pflanzlichen Nahrungsmitteln um die begrenzt nutzbaren Böden. Vor allem Getreide und Milch verteuerten sich dramatisch.


Zudem hatten Massen subventionierter Billig-Exporte von Nahrungsmitteln der Europäischen Union (EU) und der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) die landwirtschaftliche Produktion in vielen Ländern der sogenannten "Dritten Welt" praktisch zerstört. Angesichts der niedrigen Preise für die Import-Ware konnten die Bauern in diesen Ländern deswegen keine auskömmliche Landwirtschaft mehr betreiben.


Wenn nun aber auch noch die Gentechnik mit industriell "gesupertem" Erbmaterial verstärkt auf die Märkte drängt, wird das angesichts der dabei üblichen Patentierungsregeln die Abhängigkeit der Landwirte nur noch weiter vergrößern. Die Aktienkurse der großen Chemie- und Pharma-Konzerne werden zwar steigen, nicht aber die Qualität der Nahrung. Selbst die so erhoffte Steigerung der Mengen ist noch lange nicht garantiert.


So wird nur die weitere Industrialisierung der Landwirtschaft vorangetrieben. Stattdessen wäre nach Studien der Unctat jedoch gerade eine Rückkehr zu den traditionellen Methoden der Landwirtschaft in den Ländern der sogenannten "Dritten Welt" der erfolgversprechendere Weg. Doch der verheißt den Konzernen ja keine steigenden Gewinne!


Ebenso verhält es sich auch mit der Forderung Merkels, die Atomkraft als Lösungsmöglichkeit zu nutzen. Auch hier sind es die großen Konzerne, die dadurch Gewinne einheimsen, während die Masse der Menschen dadurch nur noch weiter gefährdet würde.


Statt einer verstärkten Nutzung von Sonnen- und Windkraft hat die Kanzlerin vor allem die großindustriellen Technologien im Blick. Dabei war es doch gerade diese industrielle Wirtschaftsweise, die die aktuellen Krisen herbeigeführt hat!


Die Atomenergie und die Gentechnik sind die beiden gefährlichsten Technologien, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Sie können im schlimmsten Fall die gesamte Menschheit vernichten. Doch Merkel preist gerade sie als Retter der Menschheit an.


Die rücksichtslose Ausplünderung und Zerstörung der Natur schreitet immer noch weiter weiter voran. Sie ist eine Folge der neoliberalen Wirtschaftsweise, die allein betriebswirtschaftliche Vorteile im Blick hat. Volkswirtschaftliche Zusammenhänge hingegen und vor allem gesamtgesellschaftliche und soziale Verantwortung drängt diese neoliberale Politik immer weiter in den Hintergrund.


Menschen zählen in diesem Wirtschaftsmodell fast nichts. Von Marktwirtschaft kann man angesichts der vorherrschenden Ausrichtung der Wirtschaft auf rücksichtslose Börsenspekulation und skrupellose Gewinn-Maximierung kaum sprechen. Wo bleibt denn in diesem Modell die oft bemühte Marktmacht der Verbraucher?


Immer mehr Menschen drängt diese Wirtschaftsweise in die Armut. Zunächst begann diese Entwicklung an den Peripherien. Doch längst ist das Elend auch bis mitten in die industriellen Zentren Amerikas und Europas vorgedrungen. Auch die Mittelschicht in Deutschland fürchtet bereits um ihre soziale Sicherheit.


Das vorherrschende neoliberale Wirtschaftssystem ist unsozial, unökologisch und unmenschlich. Die neoliberale Globalisierung der Armut muss aufhören!


Franz-Josef Hanke - 05.07.2008



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