"Die Nahrungsmittel-Subventionen sind total mörderisch", empörte sich Prof. Dr. Jean Ziegler. In der ARD-Fernsehsendung "Tagesthemen" kritisierte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung die Zerstörung der afrikanischen Landwirtschaft durch europäische Billig-Importe.
Massenhaft drängten hoch subventionierte Lebensmittel aus der Europäischen Union (EU) auf die afrikanischen Märkte. Dort würden sie für die Hälfte oder gar nur ein Drittel des Preises vergleichbarer einheimischer Ware angeboten. Angesichts dieser Preise hätten einheimische Bauern keine Chance.
Mit ihren Subventionen zerstöre die EU die Landwirtschaft in Afrika, resümierte der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler. Dabei lebten immerhin 37 der insgesamt 53 Länder auf dem afrikanischen Kontinent mehrheitlich von der Landwirtschaft.
Die
Verteuerung der Preise für Lebensmittel hat der Welt-Agrarrat kritisiert. Das von der Weltbank und den Vereinten Nationen (UN) eingesetzte Gremium schlug in seinem Bericht eine radikale Änderung der landwirtschaftlichen Praxis vor.
400 Experten hatten die Strukturen der Landwirtschaft weltweit untersucht. Ihr Abschlussbericht warnt vor
Hunger und Elend aufgrund der Verteuerung der Lebensmittel.
850 Millionen Menschen weltweit leiden derzeit schon an Unterernährung. Diese Zahl könnte nach Befürchtungen des Gremiums noch dramatisch steigen, wenn die Preise für Lebensmittel weiter in die Höhe gehen.
Innerhalb der letzten drei Jahre hatten sie sich weltweit verdoppelt. Allein im vergangenen Jahr sind sie um 48 Prozent gestiegen. Dermaßen hohe Preise könnten sich viele Menschen nicht mehr leisten.
Als Grund für die Preissteigerung hat der Welt-Agrarrat zum Einen den ausufernden Anbau von Pflanzen zur Produktion von Bio-Treibstoffen ausgemacht. Der pflanzliche Öl-Ersatz sei teurer als Nahrungs-Pflanzen. Deswegen sei er für viele Landwirte auch weitaus attraktiver. Nun verdränge er aber die Produktion von Nahrungsmitteln oder verteuere sie dramatisch.
Zum Anderen kritisert der Bericht auch die zunehmende Spekulation mit Lebensmitteln. Nahrung dürfe kein Objekt von Börsen-Spekulationen sein, forderten die Berichterstatter.
Sie schlugen eine Änderung der landwirtschaftlichen Praxis vor. Allerdings sehen sie deren Heil nicht etwa in einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft oder in der Gentechnik, sondern vielmehr in einer Rückkehr zu traditionellen Anbau-Methoden und Sorten.
In Äthiopien war eine systematische Anpflanzung traditioneller regionaler Pflanzen und Dünge-Techniken in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich. Ähnlich könne es auch in anderen Ländern geschehen, forderten die Berichterstatter.
Gut 60 UN-Mitgliedsstaaten haben den Bericht des Welt-Agrarrats bereits unterzeichnet. Die Bundesrepublik Deutschland gehört bislang noch nicht dazu.