Sie sind hier: Startseite > Frieden > Detailansicht



Text Das kann ja heiter werden! anzeigen

Das kann ja heiter werden!

Gewalt in Tibet und die Olympischen Spiele in China


16.03.2008 - FJH


Mit brutaler Gewalt schlägt die chinesische Regierung Demonstrationen in Tibet nieder. Sollte die Welt deswegen die Olympischen Spiele in Peking boykottieren?


Diese Frage sollte man nicht kurzerhand mit einem klaren "Ja" oder "Nein" beantworten. Vielmehr bedarf sie ausführlicher Erwägung und Erörterung.


Die zumeist vorgebrachten Argumente gegen einen Boykott können allerdings kaum überzeugen: Die Athleten hätten sich doch schon so lange auf die Spiele gefreut. Außerdem seien die meisten von ihnen doch völlig unpolitisch!


Unpolitisch sein darf man gerade angesichts der brutalen Niederschlagung eines aufbegehrenden Volkes aber ganz gewiss nicht. "Unpolitisch" hieße hier, die Verbrechen schweigend hinzunehmen und damit letztlich zumindest zu tolerieren.


Auch die Vorfreude auf den Wettbewerb kann wohl kaum ein Grund dafür sein, den eigenen Sport über die Menschenrechte Hunderttausender zu stellen. Derartige Argumente verfangen also nicht.


Das tibetische Volk wie auch die anderen Völkerschaften im Riesenreich China haben die Solidarität der übrigen Weltbevölkerung sicherlich verdient. Ihr Drang nach Freiheit ist der berechtigte Wunsch nach einem Leben, das die Menschenrechte im Alltag garantiert.


Problematisch erscheint indes die Doppelzüngigkeit vieler westlicher Politiker und ihre Scheinheiligkeit beim Umgang mit China. Vollmundig fordern etliche jetzt den Boykott oder andere Maßnahmen gegen China. Gleichzeitig aber kriechen zumindest die meisten Regierungsvertreter ihren chinesischen Amtskollegen immer wieder schleimend in den Allerwertesten, wenn es um Geschäfte mit der gigantischen Marktmacht China geht. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes Schein-heilig.


Auch könnte man kritisch fragen, wie es denn um die Verwirklichung der Menschenrechte in anderen Ländern steht. Müsste man mit dem gleichen Recht, mit dem viele jetzt einen Boykott der Spiele in Peking fordern, nicht auch sportliche Wettbewerbe in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) boykottieren? Schließlich hat die US-Regierung unter dem amtierenden Präsidenten George W. Busch die Foltermethode des sogenannten "Water Boardings" für zulässig erklärt. Und sie betreibt nach wie vor das Foltergefängnis in Guantanamo Bay.


Dennoch sollte die Drohung mit einem Boykott den chinesischen Schergen in die Suppe spucken. Sie müssen wissen, dass sie nicht alles dürfen, was sie anscheinend derzeit wollen. Sie müssen zur Einsicht gebracht werden, dass ein moderner Staat nicht auf Unterdrückung, Folter und massenweise Hinrichtungen aufgebaut werden kann.


Franz-Josef Hanke - 16.03.2008



© 2006 by  HU-Ortsverband Marburg