Sie sind hier: Startseite > Frieden > Detailansicht



Text Deutschland auf der schiefen Ebene anzeigen

Deutschland auf der schiefen Ebene

Immer mehr "Engagement" in Afghanistan gefordert


22.02.2008 - FJH


Das deutsche Militär-Engagement in Afghanistan entpuppt sich mehr und mehr als Sumpf: Immer tiefer wird die Bundeswehr in die Kämpfe am Hindukusch hineingezogen. Die Frankfurter Rundschau (FR) berichtete in ihrer Ausgabe vom Donnerstag (21. Februar) über Planungen der Bundesregierung, die deutschen Truppenkontingente in Afghanistan um 1.000 weitere Soldaten auf bis zu 4.500 Leute aufzustocken.


"Die Obergrenze von 3.500 darf kein Dogma sein", befand der SPD-"Verteidigungsexperte" Hans-Peter Bartels gegenüber der FR. "Wenn wir zusätzliche Aufgaben übernehmen, müssen genügend Soldaten da sein, um sie erfüllen zu können."


Die Debatte über eine Aufstockung des Bundeswehr-Kontingents ist das Ergebnis einer NATO-Forderung, ihre Mitgliedsstaaten sollten sich stärker engagieren. Vor allem im umkämpften Süden Afghanistans fehle es an Soldaten.


Bisher ist die Bundeswehr überwiegend im vergleichsweise ruhigen Norden aktiv. Doch soll eine "Schnelle Eingreiftruppe" auch im gefährlichen Süden Afghanistans eingesetzt werden.


Kritiker sehen im Militär-Einsatz der NATO eine Stabilisierung des Drogenhandels und der afghanischen Warlords. Die derzeitige Regierung Karzai sei kein Garant für demokratische Verhältnisse dort.


Die SPD-Fraktionsspitze hat Überlegungen nach einer Aufstockung der Truppen dann auch auf die Bundestags-Debatte über eine Verlängerung des Mandats im Oktober 2008 verschoben. Offenbar möchte sie die Bevölkerung bis dahin nicht beunruhigen.


Knapp vier Fünftel der Bundesbürger lehnen schon den jetzigen deutschen Truppen-Einsatz in Afghanistan ab. Eine Aufstockung würde diesen Wert wahrscheinlich noch erhöhen. Diese Diskrepanz könnte sich bei Wahlen negativ für die Kriegs-Befürworter auswirken.


Dennoch lässt sich die Bundesregierung anscheinend eher von ihren "Verbündeten" unter Druck setzen als vom Volkswillen. Noch nie waren deutsche Politiker so weit vom Volk entfernt wie heute!


Franz-Josef Hanke - 22.02.2008



© 2006 by  HU-Ortsverband Marburg