15 Marine-Soldaten als Geiseln der Mullahs
30.03.2007 - FJH
15 britische Marine-Soldaten befinden sich seit Freitag (23. März) in iranischer Gefangenschaft. Sie seien in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen, behauptet die Regierung des islamistischen "Gottes-Staates". Sie hätten sich innerhalb irakischer Gewässer befunden, entgegnet die britische Regierung. So bahnt sich ein gefährlicher Konflikt zwischen den Briten und dem Iran an.
Eine Woche nach der Kaperung ihrer Boote zeigte das iranische Fernsehen Bilder der Gefangenen. Der Soldat Nathan Thomas Summers entschuldigt sich da für das Eindringen in iranische Gewässer. Die einzige Frau in dieser Gruppe, die 26-jährige Faye Turney, erklärt in handschriftlich niedergelegten Briefen, sie sei von der britischen Regierung ausgetrickst worden.
Inwieweit diese Erklärungen freiwillig entstanden sind oder unter psychischem oder gar physischem Druck zustandegekommen sind, lässt sich kaum klären. Fest steht jedenfalls, dass sich das Regime des Iran hier völkerrechtswidrig und provokant verhält. Ministerpräsident Mahmud Ahmedi-Nejad zündelt in einem brandgefährlichen Spiel mit Atom-Optionen.
Seine Option auf die nukleare Wiederaufarbeitung betrachten viele als Versuch einer Entwicklung von Atom-Bomben. In den Händen des eifernden Islamisten, der selbst von anderen Mullahs im Iran sehr kritisch beäugt wird, bildet eine Atom-Waffe ein höchst gefährliches Droh-Potential. Viele fürchten, er könnte eine Atom-Bombe beispielsweise gegen Israel einsetzen, hatte er doch in einer Brandrede die Tilgung des "Zionismus" von der Landkarte propagiert.
Die israelische Luftwaffe trainiert unbestätigten Behauptungen zufolge auch schon Luftangriffe auf den Iran, um die dortigen Atom-Anlagen zu zerstören. Damit möchte sie der Entwicklung einer Atom-Bombe zuvorkommen. Doch auch diese Aktion wäre sicherlich brandgefährlich!
Nach wie vor schwelt auch immer noch der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und dem Iran. Seit der Botschafts-Besetzung im November 1979 herscht offene Feindschaft zwischen den beiden Regierungen. Auch die derzeitige US-Regierung unter dem Präsidenten George W. Bush plant nach Angaben amerikanischer Journalisten einen Angriff auf den Iran. Außer den Regierenden in Washington glaubt aber kaum jemand daran, dass sie einen solchen Krieg gewinnen könnte.
Der Nahe Osten ist und bleibt ein Pulverfass. Die Konflikte zwischen den verschiedenen Palästinenser-Gruppen, zwischen ihnen und Israel, zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah, zwischen religiösen Fundamentalisten und eher westlich orientierten Regimes in mehreren arabischen Staaten und nicht zuletzt der Terror im Irak bilden ein explosives Gemisch, das durch das kleinste Fünkchen Unachtsamkeit jederzeit sofort entzündet werden kann!
Deswegen wäre es dringend nötig, jetzt Ruhe zu bewahren und eine diplomatische Lösung des Konflikts zwischen Großbritannien und dem Iran zu suchen. Eine nachhaltige Lösung bedarf einer vorsichtigen und geschickten Diplomatie.
Im Falle des deutschen Anglers Donald Klein
ist eine solche Diplomatie in jüngster Zeit schon einmal erfolgreich gewesen. Ihn hatten iranische Marine-Soldaten im November 2005 verhaftet, weil er angeblich in iranische Hoheitsgewässer eingedrungen war. 15 Monate lang bemühte sich die Bundesregierung in Berlin um seine Freilassung.
Sie soll letztlich dem Geschick des ehemaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher zu verdanken sein. Sein Nachfolger in diesem Amt, der zwischenzeitlich bereits einen Professoren-Posten in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) übernommen hatte, war vor ihm auch schon in den Iran gereist. Ob schließlich Joschka Fischer oder allein nur Genscher in Teheran Kleins Freilassung am Mittwoch (14. März) erwirkt haben, bleibe ruhig dahingestellt. Jedenfalls scheinen beide im Iran großes persönliches Ansehen zu genießen.
Deswegen wäre es sicherlich nicht falsch, zunächst diese beiden bundesdeutschen Ex-Politiker bei der Lösung des derzeitigen Problems zwischen Großbritannien und dem Iran um Hilfe zu bitten. Wenn ihr Engagement nichts nützen sollte, könnten die Briten immer noch andere Maßnahmen ergreifen.
Ansonsten stellt sich die Frage, ob der britische Premierminister Tony Blair seine Amtszeit in der Downing Street mit einem weiteren Krieg beenden möchte oder aus den schlimmen Erfahrungen im Irak am Ende doch noch etwas lernt. Denn dort zeigt sich Tag für Tag, was viele Menschen auf der Welt schon seit Jahrzehnten wissen: Krieg ist keine Lösung!
Franz-Josef Hanke - 30.03.2007