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Kein Frieden in der Welt zu Weihnachten

Mit Milliardensummen Menschen morden?


21.12.2006 - FJH


Krieg kostet nicht nur Menschenleben. Zusätzliche 106,5 Milliarden Dollar beantragt Präsident George W. Bush jetzt für die US-Army. Damit verschlingt sie im Jahr 2007 alleine 170 Milliarden Dollar.
350 Milliarden hat der Irak-Krieg die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) bisher gekostet. Nach Angaben des Generalstabs-Chefs Peter Shoomaker vor dem Militär-Ausschuss des US-Senats werden diese Kosten noch lange nach einem Truppen-Rückzug aus dem Irak anfallen. Die US-Army vollständig auszurüsten und auf den neuesten Stand zu bringen, würde innerhalb von sechs Jahren rund 36 Milliarden Dollar kosten, warnte der General.
Die jährlichen Kosten für den Irak-Krieg sind seit Monaten höher als die Gelder, die der Vietnam-Krieg zwischen 1964 und 1972 pro Jahr verschlungen hat. Vietnam hatte die amerikanischen Steuerzahler Jahr für Jahr 61 Milliarden Dollar gekostet. Der Irak-Krieg verschlingt zur Zeit etwa 96 Milliarden Dollar pro Monat.
Für den Einsatz in Afghanistan kommen allein im Jahr 2006 weitere 150 Milliarden zu diesen Kosten hinzu. Diese halbe Billion Dollar ist mit dafür verantwortlich, dass die USA immer tiefer in die Schulden-Falle hinein rutschen. Jeden US-Bürger belastet die Kriegsführung seines Präsidenten mit 1.205 Dollar neuen Schulden pro Jahr.
Trotzdem möchte der Präsident mit zusätzlichen Geld die Personalstärke des Heeres und der Marine aufstocken. Zudem erwägt er auch eine Aufstockung der US-Truppen im Irak.
Damit wendet er sich gegen die Schlussfolgerungen der Baker-Hamilton-Kommission. Das Gremium unter Leitung des ehemaligen US-Außenministers James Baker hatte seine Vorschläge einer künftigen US-Strategie im Irak auf die einfache Formel "Nicht mehr Militär, sondern mehr Diplomatie" gebracht.
Doch obwohl Bush seinen neuen "Verteidigungsminister" Robert Gates aus den Reihen dieser Kommission berufen hat, setzt er weiterhin auf militärische Stärke im Irak. Zwar äußerte er am Sonntag (17. Dezember) in einem Zeitungs-Interview, die USA seien im Irak "nicht am Gewinnen, aber auch nicht am Verlieren", doch ruderte er gleich darauf wieder vorsichtig zurück. Er hält den Irak-Krieg nach wie vor für gewinnbar oder beteuert das wenigstens gegenüber der Öffentlichkeit.
Die Aufstockung der Soll-Stärke der US-Armee begründet Bush dann auch mit der Notwendigkeit dieser Maßnahme im "Kampf gegen den Terror". General Shoomaker hatte diese Aufstockung gefordert, weil die US-Soldaten immer längere Zeit im Irak oder in Afghanistan stationiert sind und ihre "Erholungszeiten" daheim immer kürzer werden.
Doch schon jetzt findet die amerikanische Berufsarmee kaum noch ausreichend Freiwillige. So musste sie schon das Rekrutierungsalter hoch und die gesundheitlichen Anforderungen heruntersetzen, um ihre derzeitige Soll-Stärke zu erreichen.
Wird die US-Army bald eine Armee von Schwachen, Kranken und Krüppeln? Seelische Krüppel sind viele wegen der Gewalt-Erfahrungen bei ihren Auslands-Einsätzen schon jetzt!
Schwach ist zumindestens der Präsident, der nach den Wahlen zu Kongress und Senat auf die politische Unterstützung der Demokratischen Partei angewiesen ist. Die Erhöhung der Truppenstärke will sie indes befürworten.
Zusätzlich fordert die Bush-Regierung weitere "Beiträge" ihrer Verbündeten beim "Kampf gegen den Terror" ein. So denkt "Bundes-Verteidigungsminister" Franz-Josef Jung nun ernsthaft darüber nach, fünf oder sechs Tornado-Kampfflugzeuge nach Afghanistan zu entsenden. Im Süden des Landes sollen sie offiziell zur "Informationsgewinnung und zur Aufklärung" eingesetzt werden.
Der Grünen-Rüstungsexperte Winfried Nachtwei sieht diesen Einsatz als nicht mehr gedeckt durch das Votum des Deutschen Bundestags an. Er geht davon aus, dass die deutschen Düsenjäger auch an Kampf-Einsätzen beteiligt werden sollen.
Die Problematik ausgepowerter Soldaten durch lange Dienstzeiten bei Auslands-Einsätzen teilt die Bundeswehr schon jetzt mit der US-Army. Zwar stehen keine deutschen Truppen im Irak, doch sind ihre Einsätze in Afghanistan, auf dem Balkan, am Horn von Afrika oder vor dem Libanon wie auch der kurz vor Weihnachten beendete Einsatz im Kongo keine entspannten Spaziergänge.
Auch in Deutschland sprengen die Kosten der Militär-Einsätze den eng gestrickten Etat. Nur dadurch, dass die Bundeswehr selbst an einer adäquaten Ausrüstung für derartige Einsätze spart, explodieren die Kosten hier noch nicht.
Das wird aber wohl bald schon geschehen, wenn sich die Prognose der Baker-Hamilton-Kommission bewahrheitet: Jeder Soldat in den Krisengebieten ist eine potentielle Zielscheibe. Mehr Soldaten bedeuten dort demzufolge im Ergebnis eher auch mehr Gewalt!
Und während die westlichen Truppen unter Führung der USA auch nach der Ablösung des starrsinnigen Donald Rumsfeld weiterhin beharrlich fortfahren, die "Demokratie" nach Afghanistan und in den Irak hinein zu bomben, vollzieht sich in Afrika - fast unbemerkt von der Welt-Öffentlichkeit - ein neuer Genozid: In der südsudanesischen Provinz Dafur haben obskure Milizen mehr als 200.000 Menschen ermordet. Sudanesische Rebellen sind weit in den Tschad hinein vorgedrungen und liefern sich dort erbitterte Kämpfe mit der tschadischen Armee. Ein ähnliches Schicksal erleidet auch die Zentralafrikanische Republik. In allen drei Ländern nutzen die Machthabenden diese Kriege, um die Unterdrückung der Bevölkerung zu legitimieren.
In Somalia rücken äthiopische Truppen auf die Hauptstadt Mogadishou vor. Eritreische Soldaten eilen der islamistischen Regierung dort zu Hilfe, während Äthiopien die geflohene christliche Regierung Somalias unterstützt.
Friedlich ist diese Welt wenige Tage vor dem Weihnachtsfest 2006 beileibe nicht. In Palästina halten Waffenruhen zwischen der Hamas und der Fatah oft nur wenige Stunden. Die Zustände dort gleichen einem Bürgerkrieg.
Das Nachbarland Israel schert sich keinen Deut um internationales Völkerrecht. Zwar hat Ministerpräsident Ehud Olmert jetzt ein Treffen mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas angekündigt, doch verfolgt er damit eher strategische Ziele: Er möchte den gemäßigten Fatah-Politiker im Streit gegen die radikalere Hamas stärken.
Genau dort, wo Palästinenser und Israeli Stunde für Stunde den nächsten Einschlag einer Rakete oder den neuerlichen Ausbruch von Schießereien auf der Straße fürchten, über die gerade ihre Kinder zur Schule gehen, genau dort feiern die Christen in drei Tagen ihr höchstes Fest.
"Friede auf Erden!" Die weihnachtliche Losung mag manchem fast wie Hohn in den Ohren klingen.
Auch ohne Kriege hat die Menschheit genug Probleme zu lösen. Armut und Hunger, AIDS und andere todbringende Krankheiten, Ungerechtigkeit und Unterdrückung herrschen nach wie vor in dieser Welt. Die Kriege vergrößern diese Katastrophen nur noch weiter. Immer mehr Menschen wenden sich ab von jenen Politikern, die diese Strategien vorantreiben, aushecken oder unterstützen. Und so möchte man meinen, die Forderung der Baker-Hamilton-Kommission sei beinahe eine christliche oder humanistische Maxime: "Nicht mehr Militär, sondern mehr Diplomatie!" Oder noch besser: Mehr Gerechtigkeit und mehr Frieden!


Franz-Josef Hanke - 21.12.2006



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