Wer Warnungen in den Wind schreibt, wird wackelige "Freunde" nicht mehr halten können
03.12.2006 - FJH
Das haben sie nun davon: Zuerst hatte die israelische Armee den Libanon bombardiert. Nun nutzen pro-syrische Kräfte unter Führung der Hisbollah die Gunst der Stunde aus, um den geschwächten Ministerpräsidenten Fuad Siniora mit Massendemonstrationen aus seinem Amt zu vertreiben.
Genau davor hatten israelische Intellektuelle schon während des Krieges gewarnt. Man dürfe das zarte Pflänzchen demokratischer Unabhängigkeit des Libanon von der Vorherrschaft Syriens nicht gefährden, hatten sie erklärt. Gerade erst war es den Libanesen gelungen, sich nach dem Mord an ihrem einstigen Ministerpräsidenten Rafik Hariri vom Joch der Syrer zu befreien und die syrischen Truppen aus ihrem Land zu verjagen. All das steht nun wieder auf der Kippe!
Diese Misere haben den Libanesen die Israelis und US-Präsident George W. Bush eingebrockt!
Politisch aufmerksame Zeitgenossen werden sich sicherlich noch an die verzweifelten Hilferufe des libanesischen Ministerpräsidenten nach Beginn der Bombardements erinnern. Gefruchtet haben sie nichts. Dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert war das Leiden der libanesischen Bevölkerung egal. Wichtig war ihm allein das Ziel, die Hisbollah auszurotten. Erreicht hat er das freilich nicht!
Was viele schon während des Krieges prognostiziert hatten, das tritt jetzt ein. Die Hisbollah ist durch diese Bombardements eher gestärkt worden als geschwächt. Nun marschiert sie mit massenhaftem Gefolge gegen den Präsidenten-Palast!
Die pro-syrischen Kräfte im Libanon beschuldigen Siniora, er habe in diesem Krieg versagt. Deswegen müsse er das Amt räumen.
Angesichts dieser Lage zeigte sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch in Beirut am Samstag (2. Dezember) ratlos. Immerhin war er noch einer derjenigen gewesen, die die Bombardements so schnell wie möglich stoppen wollten. Doch zeigte im seine israelische Amtskollegin Tzipi Livni damals völlig undiplomatisch die kalte Schulter.
Auch die Bundesmarine vor der libanesischen Küste wird Signora in diesem Konflikt kaum hhelfen können. Ihre Anwesenheit ist eher eine gefährliche Show-Veranstaltung als ein wirkungsvoller Beitrag zur Friedens-Sicherung.
Frieden für den Nahen Osten wird es erst geben, wenn alle Seiten die Rechte der jeweils anderen respektieren und auf jegliche bewaffnete Auseinandersetzung verzichten. Doch noch verbrämen alle Seiten in diesem Konflikt ihre Position in diesem Streit mit religiösen Rechtfertigungs-Klauseln und ihren uralten Rechten auf das "gelobte Land".
Auf allen Seiten begehen Eiferer Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung. Und jede Seite jammert über die eigenen Opfer, ohne die Opfer der anderen zu betrauern So werden alle zu Opfern und fast alle zugleich auch zu Tätern.
Ein Ausstieg aus dieser Logik nach dem alttestamentarischen Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" wäre die Vorbedingung für Frieden in dem Land, das drei Weltreligionen "heilig" heißen. Angesichts der jahrzehntelang immer weiter hochgedrehten spirale der Gewalt bleibt das allerdings zumindestens vorerst noch ein frommer Wunsch.
Doch auch für den Nahen Osten gilt das bekannte Sprichwort: "Die Hoffnung stirbt zuletzt!"
Gerade in der Adventszeit möchte man daran sicherlich gerne glauben. Schließlich ist Weihnachten nach der christlichen Tradition ja das Fest des Friedens. Shalom miteinander!
Franz-Josef Hanke - 03.12.2006