Als "Raubtier-Kapitalismus" bezeichnen viele Kritiker das derzeit vorherrschende Wirtschaftssystem. Diese Bezeichnung ist jedoch falsch: Ein Raubtier frisst nur, solange es Hunger hat.
Banker und Manager hingegen sind größtenteils unersättlich. Grenzenlose Gier prägt ihr egoistisches Handeln. Selbst das drohende Scheitern ihres mörderischen Systems hat die meisten noch nicht zum Innehalten und Nachdenken bewogen.
Mensch und Umwelt sind die Leidtragenden dieses maßlosen Größenwahns. Mehr und immer mehr wollen die selbstsüchtigen Profiteure und Hasardeure aus allem herausziehen. Skrupel kennen sie dabei nicht.
Zugunsten eines höheren Gewinns verbrüdern sie sich auch mal mit den sogenannten "Aufsichtsbehörden". Schließlich greifen diese Behörden ja in die Freiheit des Marktes ein und beschneiden die Handlungsmöglichkeiten der Akteure.
Was bei einer solchen unheiligen Allianz zwischen Kontrollierten und Kontrolleuren herauskommen kann, das beobachtet die fassungslose Öffentlichkeit seit Dienstag (20. April). An diesem Tag ist die Bohrplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko explodiert.
Elf Menschen haben die Gier der Betreiber-Firmen mit ihrem Leben bezahlt. Für die Schäden soll die Firma "British Petrol" (BP) jetzt zahlen.
Doch die Schäden sind unbezahlbar. Tag für Tag strömen seit der Explosion 6.400 Tonnen Erdöl ins Meer.
Nach wie vor ist es den "Experten" von BP nicht gelungen, das Bohrloch zu stopfen. Lediglich ein Drittel des ausströmenden Öls können sie mittlerweile auffangen und in Tankschiffe abpumpen.
Tag für Tag strömen auch immer noch Treibgase in die Erdatmosphäre hinauf. Seit 30 Jahren ist dieses Problem bekannt. Doch streiten sich die Regierungen bei internationalen "Klima-Gipfeln" immer noch darüber, wer wie viel von seinem Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) verringern soll!
Derweil häufen sich heftige Stürme sogar in Mittelhessen. Mit der angekündigten "Klima-Katastrophe" freilich hat das nichts zu tun.
Wenn die deutsche Automobilindustrie darunter leidet, dann dürfen die Grenzwerte für CO2 nicht gesekt werden. Das Geld regiert schließlich die Welt.
Die "Wirtschaftskrise" war auch nur eine vorübergehende Erscheinung. Kaum hatten die Regierungen der reichen Länder ihre Banken mit Milliarden gerettet, da machten die spekulanten auch schon weiter, als sei nichts geschehen.
Immer unverschämter stopfen sie sich Gewinne und Steuergeschenke in die Taschen. Andere müssen dafür "den Gürtel enger schnallen".
Nicht nur in Afrika hungern Millionen Menschen. Doch die sogenannte "Entwicklungshilfe" der reichen Staaten stützt oft die korrupten Regimes, die das Geld eher zur eigenen Bereicherung nutzen als zur Bekämpfung der Armut.
Waffengeschäfte florieren noch einträglicher als je zuvor. Inzwischen hat Deutschland den dritten Platz weltweit beim Umsatz mit Waffenexporten erkämpft.
"Der Tod ist ein Meister aus Deutschland", schrieb der Dichter Paul Celan in seiner "Todesfuge". Ein Embargo der Vereinten Nationen (UN) gegen den Iran verbietet nur den Handel mit schweren Waffen. Gewehre hingegen dürfen die Hersteller an das Mulla-Regime liefern, damit die fundamentalistischen Machthaber in Teheran weiterhin auf aufmüpfige Menschen schießen lassen können.
An deutschen Waffen klebt kein Blut. Deutsche Gaskammern waren ja auch eine unblutige und sehr reinliche Geschichte.
Auch die Atomenergie ist sauber. Geld stinkt nicht.
Um auch der Wirtschaft etwas abzuverlangen, hat die Bundesregierung unter der Kanzlerin Angela Merkel eine "Brennstoff-Steuer" in ihr
Sparpaket aufgenommen. Im Gegenzug gewährt sie den Betreibern längere Laufzeiten für ihre altersschwachen Atom-Meiler.
"Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt", lautete zu Lebzeiten des Reformators Martin Luther ein kleiner Vers über die Ablasszahlung der Armen an die - das Geld nur so verprassende - katholische Kirche. Angesichts der Besteuerung maroder Atomkraftwerke erhält dieser Vers jetzt einen mörderisch makabren Beigeschmack.
Wieder und wieder wiederholen weitsichtige Zeitgenossen ihre wohlgemeinten Warnungen vor den gemeinschädlichen Gefahren gieriger Gewinn-Orientierung einer unkontrollierten Wirtschaft. Sie hoffen, dass die Menschen etwas lernen daraus.
Skeptisch zur Lernfähigkeit der Menschheit äußerte sich der aus Deutschland exilierte Heinrich Heine in einem Gedicht, in dem er auf die griechische Mythologie zurückgriff. Haben sich die Verhältnisse seit der Antike etwa nicht grundlegend geändert?
Hat selbst die Philosophie der Aufklärung nicht nachhaltig gewirkt? Heine jedenfalls hatte da so seine Zweifel:
"Der Stein entrollt dem Sysiphus.
Der Danaiden Tonne
Wird nie gefüllt.
Vergeblich beleuchtet den Erdenball
Die Sonne."