Das am Dienstag (1. Dezember) bekanntgegebene "Jugendwort des Jahres 2009" lautet "
hartzen". Eine 15-köpfige Jury hat von den gesammelten Neu-Wörtern der Jugendszene aus fünfzehn Final-Vorschlägen ausgerechnet diese unscharfe, uninspirierte Verbalinjurie ausgewählt.
Man kann das kaum anders als gurkig nennen. Denn das, was "hartzen" angeblich bezeichnet und angreift, ist seit jeher eine Lieblingstätigkeit von Jugendcliquen, nämlich belangloses, ordinäres "Rumhängen" ohne Plan und originelle Ideen.
Umso schlimmer ist, wenn nebenbei das (Lehr-)Stellenlos Sein zahlreicher Jugendlicher noch gleich mit in die Pfanne gehauen wird. Ohne Job und Geld dastehen und scheinbar ausweglos "Abhängen" ist kein lustiger Zustand. Sich darüber "lächerlich" zu machen und Verachtung zu zeigen, ist zwar zweifellos eine in Deutschland verbreitete Haltung, aber eine bemerkenswerte Wort-Neuschöpfung ergibt das nie und nimmer!
Die Nummero 5 auf der Liste 2009 lautet "Pisaopfer". Das geht in genau die gleiche Richtung.
Beschimpfung macht offenkundig mehr Spaß als Scharfsinn und Kreativ sein. Als hoffnungslos ettikettierte Verlierer, die aus schlechten Schulen ohne erkennbaren Bildungszugewinn hervorgingen, werden als "selber schuld" angeschwärzt.
Klar gibt es solche erfolgsfernen, traurigen Typen beiderlei Geschlechts, die aus bildungsfernen Familien stammen und wenig dazugelernt haben, in der Wirklichkeit. Aber sind sie daran tatsächlich selber schuld?
Das kollektive Versagen der deutschen Gesellschaft und ihres im europäischen Vergleich blamabel rückschrittlichen viergliedrigen Schulsystems wird nicht in den Blick genommen. Stattdessen werden die "Opfer" der verkorksten Bildungs-Strukturen für ihr leicht voraussagbares Scheitern mit Hohn und Spott übergossen. Ist es dann nicht schlicht "toll-wütig", wenn fünfzehn
Jury-Mitglieder zwischen 13 und 43 Jahren genau diese dünkelhafte Menschenverachtung auch in ihrer Auswahl-Entscheidung aufs Silbertablett des Sieges heben?
Dabei hatten sie in der
Endauswahl aus 15 Neologismen (Neuwörtern), nämlich jener, die seit Juli 2009 beim Online-Abstimmen die meisten Stimmen auf sich vereinten, durchaus bessere Kandidaten im Rennen. "Rudelgucken" als gelungene Eindeutschung des Denglisch-Worts "Public Viewing" ist ein schöner Kandidat, kam aber nur auf Platz 4. Noch besser ist das auf Rang 3 gelandete Neu-Wort "Bankster" für Bankangestellte, die in der Finanzkrise spekulative Geschäfte mach(t)en.
Das "Jugendwort des Jahres" wird seit dem Vorjahr vom Sprachlexika-Verlag Langenscheidt in Kooperation mit der Jugendzeitschrift "
Spiesser" und der Online-Vernetzungs-Plattform "MySpace" vergeben. Bereits im ersten Anlauf 2008 hatten sie mit dem Neu-Begriff "Gammelfleischparty" - für Feten von Leuten über 30 Jahren - ein wenig glückliches Händchen bewiesen. Verächtliches Fingerzeigen auf Andere zeugt weder von Bildung, noch von Geschmack.
Es ist kein Wunder, dass dieses "Jugendwort des Jahres" anders als die entfernt vergleichbaren Projekte "
Wort des Jahres" und "
Unwort des Jahres" schon zwei Tage nach der Publikation niemand mehr interessieren wird. Aber das musste einmal gesagt werden.
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Dieser Text von Kuro Sawai stammt aus der Quelle:
Jugendwort 2009 ein Gurken-Witz der Brights Marburg Webpräsenz. Er steht unter
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