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Wer arbeitet, ist der Dumme?

Bild-Kampagne gegen Erwerbslose


13.02.2008 - FJH


"Wer arbeitet, ist der Dumme!" So titelte die Bild-Zeitung am Montag (11. Februar). Anhand einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und Vergleichsgrafiken des Bundes der Steuerzahler versuchte das Hamburger Boulevard-Blatt zu belegen, dass man mit dem Arbeitslosengeld II (ALG II) besser fährt als mit eigener Hände Arbeit.


"Immer mehr Arbeitnehmer bekommen weniger Geld als Hartz-IV-Empfänger", behauptete das Blatt. Passend zu dieser These zietierte Bild eine Familie aus Dortmund mit der Aussage: "ohhne Arbeit hätten wir 1 Euro mehr!"


Zu allem Überfluss schrieb Hugo Müller-Vogg dazu noch einen Kommentar unter dem Titel "Mehr Netto, damit sich Arbeit lohnt". Tenor der gesamten Kampagne ist dann auch nicht etwa die folgerichtige Forderung nach einem auskömmlichen gesetzlichen Mindestlohn, sondern vielmehr das Postulat nach weiteren Steuersenkungen.


Ganz nebenbei schürt Bild wieder einmal eine Neid-Debatte gegen Sozial Schwache nach dem altbekannten Strickmuster ihres "Schmarotzers" mit dem zugkräftigen Namen "Florida-Rolf". Wer auf ALG II angewiesen ist, wird als gieriger Kostgänger der ausgebluteten Gemeinschaft angeprangert.


Bei den nicht nachvollziehbaren Muster-Rechnungen zum Vergleich von Arbeitseinkünften mit den Leistungen nach Hartz IV berechnet Bild - sicherlich nicht ohne Grund - immer die höchstmöglichen Sozialleistungen. Die vergleicht das Blatt dann dreist mit den niedrigsten Löhnen.


Völlig außer Acht lässt Bild dabei, dass Niedrig-Verdiener unter gewissen Umständen auch ergänzende Leistungen nach Hartz IV erhalten können. Deswegen hat eigentlich fast jeder mehr, wenn er arbeitet.


Insofern erkennt der Kundige die Bild-Kampagne schnell als Hetzee gegen Erwerbslose. Im Vorfeld der Hamburger Bürgerschaftswahl wollen interessierte Kreise die berechtigte Kritik am Sozialabbau anscheinend durch derartige Nebelgranaten-Abwürfe eindämmen.


Doch ganz so dumm sind die Menschen nicht, wie Bild sie offenbar einschätzt. Schließlich haben die Wahlberechtigten auch in Hessen dem Sozial-Räuber und Parolen-Plapperer Roland Koch einen drastischen Denkzettel verpasst.


Franz-Josef Hanke - 13.02.2008



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