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Norwegen als Vorbild?

Nur die Preise, Vorstandsgehälter und Diäten steigen in Deutschland


30.12.2007 - jn


In Deutschland machen allein die Preise und Diäten sprunghaft Fortschritte. Sonst geht nichts voran - schon gar nicht in Richtung Geschlechter-Gerechtigkeit. Wie gut, wenn man ab und an bei den europäischen Nachbarn ermutigende Lichtblicke auffängt!


In Norwegen gehen anscheinend die frauenpolitischen Uhren anders. Zum 1. Januar 2008 tritt dort die letzte Stufe einer gesetzlich vorgegebenen Quote für Aufsichtsräte in Kraft. Demnach müssen künftig mindestens vierzig Prozent der Mitglieder Frauen (oder Männer) sein.


Mit Sanktionen von Bußgeldern bis zur Zwangsauflösung wird jedem Unternehmen gedroht, das in den zwei Jahren seit Inkrafttreten des Gesetzes nicht aktiv geworden ist. Begleitet wurde das Gesetz zudem mit einem Instruktionspaket “Female Future” sowie einer Datenbank mit über 4.000 Kandidatinnen. Neu gegründete Firmen sowie Staatsunternehmen müssen die vorgegebene Quote ohne Zeitverzug erfüllen.


"Eine derartige Konsequenz in Sachen Gleichberechtigung macht uns noch grüner - vor Neid", unkte dazu Irmingard Schewe-Gerigk am Samstag (29. Dezember). Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen ist auch deren frauenpolitische Sprecherin.


"Auch in Deutschland hat sich Freiwilligkeit bei der Durchsetzung von Chancengleichheit in der Wirtschaft als chancenlos erwiesen", stellte Schewe-Gerigk ernüchtert fest. Zurecht wurde daher vorgeschlagen, den direkten Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtrat zu untersagen und die Anzahl der Aufsichtsmandate pro Person auf maximal fünf zu begrenzen.


Woran liegt der Stillstand im bevölkerungsstärksten Land der Europäischen Union? Ob es an der Augentäuschung liegt, dass die Deutschen immerhin erstmals eine Frau als Regierungschefin haben und laut den Meinungsumfragen gut damit fahren?


Die Zufriedenheit mit der Diplomatie der Kanzlerin steht in krassem Gegensatz zur Volksmeinung über die Leistungen der Großen Koalition insgesamt. Zugleich ist es natürlich ein auffallender Fehler, nur auf die Spitzenpositionen oder prominenten Karrieristinnen zu gucken.


Das Gros der Lebenswege findet völlig abseits der Kameras und Manager-Etagen statt. Die Messlatte muss daher dort liegen, wo Stress und Arbeitsverdichtung abgebaut werden könnten, um Humanität im Arbeitsleben zu ermöglichen. Hinzukommen müssten flankierende sozial- und familienpolitische Maßnahmen wie Kinderkrippen, um Frauen von der organisatorischen Verantwortung für die Kinder wenigstens ein Stück weit entlasten zu können.


Beides wird zwar gelegentlich diskutiert, aber von dieser Regierung kaum auf den Weg gebracht. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ist zwar eine besonders mediensüchtige und beliebte Politikerin. Aber wenn man genauer hinschaut, was bei ihren Aktivitäten für die Bevölkerung herauskommt, dann ist die Bilanz eher Magermilch.


Bei beherzten Kommentatoren der Berliner Politik gilt sie folgerichtig als die "größte PR-Windmaschine" in der Regierung. Dies Bild ist bei ihr noch deutlicher ausgeprägt als bei Umweltminister Sigmar Gabriel oder bei der Kanzlerin selber.


Die Deutschen sind immer noch zu sehr Zuschauer und folgenlos Schimpfende. Wo das wichtigtuerische Gerede und Zetern im kleinen Kreis alles Handeln ersetzt, da ändert sich nie etwas zum Guten.


Demokratie ist eine Frage des guten Gedächtnisses, besagt ein Sprüchlein aus der deutschen Nachkriegszeit. Aber ob die vier im Jahr 2008 anstehenden Landtagswahlen tatsächlich entsprechend deutliche Quittungen für schlechte politische Leistungen ausstellen werden, das ist noch nicht abzusehen.


Jürgen Neitzel - 30.12.2007



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