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Staatlich verordnete Diät für maßlose Manager

Spitzen-Gehälter haben sich im Verhältnis mehr als verzehnfacht


09.12.2007 - FJH


Die Bezüge der deutschen Spitzen-Manager sind ins Gerede gekommen. Nun will die Bundesregierung aktiv werden. Allerdings streiten sich die Koalitionspartner darüber, ob man Manager-Gehälter begrenzen oder nur allzu hohe Abfindungen steuerlich abschöpfen sollte.


Den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck ärgert, dass "Manager selbst bei einer Riesen-Pleite noch mit Millionen-Abfindungen nach Hause geschickt werden". Er erklärte der "Bild"-Zeitung dazu: "Wir prüfen derzeit, welche gesetzlichen Möglichkeiten bestehen, dies zu unterbinden."


Nachgedacht wird bei der SPD über eine Begrenzung des - vom Steuergesetz vorgesehenen - Abschreibungs-Betrags für Abfindungen beispielsweise auf eine Million Euro. Höhere Beträge kämen das zahlende Unternehmen dann sehr teuer.


Beim Koalitionspartner CDU stößt diese Idee allem Anschein nach jedoch auf Vorbehalte. Auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel die Höhe der Manager-Gehälter bereits mehrfach kritisiert hat, scheint sie nicht an eine gesetzliche Begrenzung zu denken.


Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble wollte sich gegenüber der "Welt am Sonntag" allenfalls zu einer Offenlegungspflicht für Spitzen-Bezüge bei Börsen-notierten Unternehmen hergeben. "Inakzeptabel hohe" Vergütungen sollte die Wirtschaft seiner Ansicht nach selbst unterbinden. Einen Höchst-Lohn gesetzlich festzulegen, sei "völliger Unsinn".


Im Rahmen der nun wieder aufgeflammten Debatte über die ungerechte Entlohnungspraxis erinnerte Oskar Lafontaine daran, dass Union und SPD im Bundestag erst kürzlich einen Antrag der Linkspartei zur Begrenzung von Manager-Gehältern abgelehnt hatten. Jetzt steht das Thema aber wieder auf der Tagesordnung.


Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber forderte in der "Bild am Sonntag" eine Obergrenze für gerechte Löhne: "Wenn aus dem Gehalt eines Menschen mehr als 100 Arbeitsplätze finanziert werden könnten, und gleichzeitig in demselben Unternehmen aus Kostengründen Arbeitsplätze abgebaut werden, sprengt das jede Vorstellung von Gerechtigkeit."


Betrug das üppigste Manager-Salär vor 50 Jahren noch höchstens das 50-fache des niedrigsten Vollzeit-Lohns im selben Unternehmen, so hat sich diese Differenz inzwischen auf das 540-fache vergrößert. Während die Manager stark zugelangt haben, mussten die "kleinen" Beschäftigten bei ihren Löhnen reale Einbußen hinnehmen.


So viel produktiver oder effektiver kann ein einziger Mensch aber beim besten Willen gar nicht arbeiten, dass dieser gigantische Unterschied gerechtfertigt wäre. Selbst das 50-fache des geringsten Gehalts im gleichen Unternehmen wäre für ein Spitzen-Salär schon zuviel!


Wenn diese Ungerechtigkeit nicht bald beseitigt und das grassierende Lohn-Dumping beendet wird, dann darf sich niemand über berechtigte Proteste wundern. Der Streik der Lokomotivführer in den vergangenen Monaten hat gezeigt, dass die Beschäftigten auch in deutschland nicht mehr alles mit sich machen lassen.


Franz-Josef Hanke - 09.12.2007



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