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Kasper Kurt und seine Agenda

Politik als Kasperletheater


10.10.2007 - FJH


Seid Ihr alle da? Dann ruft nur laut: "Ja!"


Wie ein Kasperletheater inszenieren die Medien die Politik: Der biedere Kasper Kurt greift pfiffig in die Wundertüte hinein. Dort findet er einen tollen Vorschlag: "Kloppt die Agenda 2010 in die Tonne!"


Fröhlich springt Kasper Kurt über die Bühne und zeigt allen anderen Figuren den Zettel. Die linkische Andrea strahlt schon über"s ganze Gesicht deswegen. Auch der aufmüpfige Ottmar ist zufrieden.


Doch der brummige Franz reagiert sauer. "Nein," schimpft er. "Die Agenda 2010 kommt mir nicht in die Tonne! Da hab' ich doch selber dran mitgestrickt."


Der etwas hölzerne Frank-Walter grinst schelmisch. "Wir machen einen Kompromiss", schlägt er dem Kasper vor. Und zu den Kindern raunt er leise: "Dieser dumme Kasper weiß gar nicht, dass Kompromisse immer faul sind."


Lachend klopfen sich die Kinder auf die Schenkel. Lustig ist dieses Kasperletheater.


"Ein Machtwort von der Prinzessin", wünscht sich derweil der biedere Franz in seinem sauerländischen Tonfall. "Ein Machtwort!"


Doch anstatt den dicken Kasper zu hauen, hält die Prinzessin Angela den Mund. Dem hölzernen Frank-Walter flüstert sie zu, dass es für schöne Prinzessinnen immer am klügsten ist, den Mund zu halten. Denn dann kann man auch nichts Falsches sagen.


Wieder lachen die Kinder, weil der dämliche Kurt immer noch meint, er könne die Agenda in die Tonne kloppen. "Parteitag, Parteitag", ruft er erregt.


"Wir kloppen die Agenda in die Tonne", piepst Peer und schlägt dem Kasper jovial auf die Schultern. "Wir kloppen den Kurt in die Tonne", flüstert er dem brummigen Franz fröhlich zu.


Doch Kurt hat viele Freunde. Hunderttausende Genossen passen aber nicht auf die enge Bühne des Puppentheaters aus Pappmaschee.


Die 82 Millionen Zuschauer dürfen auch nur vor dem kleinen Fenster sitzen, in dem der Kasper und die anderen Figuren immer munter hin und her hüpfen. Was sie da wirklich tun, das zeigen die Puppenspieler dem "hochverehrten Publikum" nicht.


Wozu sollten die Menschen sich auch Sorgen machen über den Abbau von Freiheitsrechten, soziale Ungerechtigkeiten und finanzpolitische Taschenspielertricks. Das merken die schon noch früh genug!


Wo ist denn nur das große, grüne Krokodil geblieben? Seit längerem vermisst das Publikum dieses witzige Tier mit dem riesigen Maul. "Joschka, Joschka", rufen die Kinder. "Joschka, wo bist Du?"


Mit knarrender Stimme betritt das grüne Krokodil kurz die Bühne. Es zeigt dem Kasper seine scharf blitzenden Zähne. Dann sagt Joschka: "Ich war bei unserem lieben, guten alten Onkel George in Amerika. Aber jetzt bin ich wieder da."


Vor Begeisterung klatscht das Publikum in die Hände. Kinder und Erwachsene sitzen dort und starren gebannt auf die kleine rechteckige Fläche, in der die Puppen miteinander kämpfen.


"Seid Ihr alle da?" Fröhlich schaut Kasper in die vergnügte Runde.


"Ja!" Laut und fröhlich rufen die Erwerbslosen ihre Antwort in den Saal. Wolfgangs und Franz-Josefs gemeinsame Erwiderung lässt ihre Gesichter zu Stein erstarren: "Aber nicht mehr lange!"


Franz-Josef Hanke - 10.10.2007



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