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McKinsey und die Tafeln

McKinsey vergiftet das Klima


12.04.2007 - ak


Die Unternehmensberatung McKinsey steht schon in recht zweifelhafter Verbindung mit den "Tafeln" welche wohl Teil des amerikanischen Modells sind: "soziale Rechte gegen Almosen“.


Meines Erachtens wurde mit den Tafeln ein Prinzip eingeführt, das schon aus den USA bekannt ist: Sozialleistungen als willkürliche Almosen statt als gesicherter Rechtsanspruch. Statt Geld mit Bürgerrechtsanspruch gibt es großzügige private Spenden an die Bedürftigen.


Anerkennung für dieses Prinzip kommt vor allem von denen, die den Rückbau des Sozialstaats und die Zunahme von Armut politisch zu verantworten haben. Sie singen das Hohelied auf das Ehrenamt. Es überrascht deshalb nicht, daß Familienministerin Ursula von der Leyen die Schirmherrschaft beim Bundesverband der Tafeln übernommen hat und daß Bundespräsident Horst Köhler gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, Anfang Februar zu einem Benefiz-Konzert zugunsten der Tafeln in die Berliner Philharmonie einlud. Man muß sie lieb haben, die Tafeln und ihre Helfer.


In der Tat füllen die Tafeln eine Lücke, die politisch bewusst geschaffen wurde. Es ist bereits wissenschaftlich erwiesen, dass beispielsweise der Regelsatz des Arbeitslosengeldes II (ALG II) in Höhe von 345 Euro zu niedrig angesetzt wurde. Auch eine Anpassung an steigende Lebenshaltungskosten erfolgt nicht.


Wo die im zu niedrigen Regelsatz veranschlagten 4,02 Euro pro Tag für Essen und Getränke nicht reichen, da helfen die Tafeln aus. Da ist es kein Wunder, dass sich Unternehmen, die von den permanenten Entlastungen - auch bei den Lohn-Nebenkosten - profitieren, die Tafeln unterstützen.


Unterstützt werden die Tafeln von zahlreichen kapitalkräftigen Sponsoren. Auch der große Unternehmensberater McKinsey – führend bei Rationalisierung und Personalabbau – kümmert sich so um die Opfer der Arbeitsplatzvernichtung.


Für die Tafel-Entwicklung erleichtert das Wissen um die intensive Einflussnahme von McKinsey das Erkennen ihrer teilweise noch verborgenen Intention: dass sie genau auf den "Turnaround“ zusteuert, den McKinsey immer wieder fordert, nämlich die massive Einschränkung des staatlichen Geldtransfers auf der Grundlage von Bürgerrechten. Statt Geld mit Bürgerrechtsanspruch gibt es großzügige private Spenden an die Bedürftigen auf Grundlage der Menschenrechte.


Diese Beratergruppe, bei der man trotz weltweiter Verzweigung viel Wert darauf legt, eine geschlossene Gesamtfirma zu bilden, hat ihre Zentrale in New York. Da war es naheliegend, einmal nachzuschauen, ob vielleicht auch die amerikanische Mutter der deutschen Tafel-Idee Unterstützung durch McKinsey erfahren hat.


Sie hat. Solche McKinsey-Leitfäden zur Gründung und zum Management von Tafeln gehören in jeder deutschen Tafel-Filiale zur Standardausstattung.


Einmal auf dieser Spur, zeigt sich eine Einflussnahme von McKinsey in einem Umfang, der den Verdacht entstehen lässt: Ist McKinsey womöglich der eigentliche Initiator der "internationalen Tafel-Landschaft"? Müssen wir nach McDonalds Fastfood bald mit McKinseys Junkfood für Bedürftige weltweit rechnen?


Jedenfalls sehen wir also eine Welle der Hilfsbereitschaft auf uns zurollen, die täglich größer wird. Aktuell zum Beispiel durch die Gründung von so genannten Foodbanks auch in Deutschland, die logistisch auf riesige Mengen minderwertiger Lebensmittel ausgerichtet werden und durch die der Lebensmittel-Ausstoß der lokalen Tafeln, die ihren Umsatz längst in Tonnen messen, um ein Vielfaches wachsen wird.


Geostrategie von Biopolitik: Noch ist Deutschland ein weißer Fleck auf der Karte der "European Federation of Food Banks". Doch die Gründung wird gegenwärtig von den Tafeln mit Hochdruck betrieben. Wir ahnen, wie diese Welle der Hilfsbereitschaft den Sozialstaat unter sich begraben wird.


Zum Beispiel die Schweiz: Hier wollte Bankiersgattin Yvonne Kurzmeyer Gutes tun und kam auf die Idee, eine Tafel nach New Yorker und Berliner Vorbild zu gründen. Mit 600.000 Franken von ihrem privaten Geld gründete sie die Stiftung "Hoffnung für Menschen in Not". Und weiter heißt es in der Schweizer Gründungslegende: Dank guten Kontakten zur Wirtschaft konnte Kurzmeyer die Unternehmensberater-Firma McKinsey motivieren, ein für die Schweiz zugeschnittenes "Handbuch zum Betrieb einer Tafel" zu entwickeln.


Auch in Kanada und Österreich berät McKinsey die Tafeln. Eindeutig klar ist also: McKinsey ist das internationale Bindeglied zwischen den nationalen Tafel-Gesellschaften.


Nun wird sich wohl kaum ein Beweis dafür erbringen lassen, dass McKinsey der eigentliche Initiator der Tafeln ist.
In Bochum hat der Leiter der Bezirksverwaltung Wattenscheid versucht, der Tafel-Macht Widerstand entgegenzusetzen, indem er in einem Fernsehinterview angekündigt hat, schlicht und ergreifend die geltenden Gesetze anzuwenden.
Das Anwenden dieses - im Übrigen das gesamte Sozialrecht wesentlich bestimmenden - Subsidiaritätsprinzips, nach dem eben - vereinfacht gesagt - nur der vom Staat versorgt werden soll, der nicht von anderer Seite schon genug bekommt, hätte natürlich das sofortige Aus der Tafeln nach sich gezogen. Man darf wohl unterstellen, dass genau das die Absicht dieses mutigen Menschen war. Denn dass es sich hier nicht um einen dummen Paragrafenreiter gehandelt hat, wird durch die Begründung sofort deutlich: Man habe schließlich kein Sozialsystem wie in Amerika, sagte er vor laufender Kamera….


In der Tat füllen die Tafeln eine Lücke, die politisch bewußt geschaffen wurde. Es ist bereits wissenschaftlich erwiesen, dass beispielsweise der Regelsatz des ALG II in Höhe von 345 Euro zu niedrig angesetzt wurde.Unterstützt werden die Tafeln von zahlreichen kapitalkräftigen Sponsoren. Auch der große Unternehmensberater McKinsey – führend bei Rationalisierung und Personalabbau – "kümmert" sich so um die Opfer der Arbeitsplatzvernichtung.
Anerkennung kommt vor allem von denen, die den Rückbau des Sozialstaats und die Zunahme von Armut politisch zu verantworten haben. Sie singen das Hohelied auf das Ehrenamt.


Annette Krainhöfner - 12.04.2007



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