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Au weia, Gauck ante portas

Wem nützt solch ein gruseliger Kandidat zum Bundespräsi?


17.03.2012 - jn


Die Bürgerrechte sind der Dreh- und Angelpunkt der Humanistischen Union (HU). Joachim Gauck aber hat bei genauem Hinschauen wenig Bürgerrechtliches zu bieten.


Es mag ja sein, dass er als Theologe und Gegner des diktatorischen DDR-Regimes aufgetreten ist. Das war damals, vor über zwanzig Jahren. Aber ihn deswegen heute noch als Bürgerrechtler zu bezeichnen, verdreht die Tatsachen in propagandistischer Absicht.


Für die Bürgerrechts-Aktivisten der Gegenwart - zum Beispiel die Occupy-Bewegung, die ACTA-Gegner oder Attac - hat er nahezu kein Verständnis. Seine verächtlichen oder ignoranten Äußerungen zeigen das deutlich.


Dieser Pfarrer, der sich selbst auf's Christsein soviel zugute hält, ist ein Bellizist und ein Beweihräucherer von deutscher militärischer "Stärke". Er ist mehrfach als meinungsstarker Befürworter des Afghanistan-Kampfeinsatzes der Bundeswehr in Erscheinung getreten. Bei Pazifisten wird dieser Kandidat nur Abneigung hervorrufen.


Das uneheliche Zusammenleben mit seiner Lebensgefährtin ist seine Privatsache. Sich wie gewisse CSU-Politiker darüber zu echauffieren, steht niemandem gut an. Gauck wird seine Gründe haben.


Wirklich unangenehm aber sind seine Äußerungen hinsichtlich sozialer Bürgerrechte. Tatsächlich bezeichnete er doch ausgerechnet Thilo Sarrazin mit seiner rechtspopulistischen Hetze als "mutig". Die Teilhabe der Ärmeren an der deutschen Gesellschaft hat bei Gauck also keinen Stellenwert.


Es verwundert nicht, dass die "Fast drei Prozent"-Partei FDP sich für diesen Kandidaten stark auf die Brust geklopft hat. Gauck steht der Mövenpick-Partei ideologisch unheimlich nahe.


Wollte man die Bundes-Parteispitzen der SPD und der Grünen noch ernst nehmen als das, was sie selber von sich propagieren, wäre man ein begossener Pudel. Aus schierer Taktiererei - und sonst gar nichts - besteht das unwürdige Spielchen dieser "Bundespolitiker".


Schämen die sich nicht einmal mehr, ihren Wählern einen beinharten Neoliberalen wie Gauck als "starken Demokraten" - der er nicht ist - unterzujubeln? Weder soziale Gerechtigkeit und Teilhabe des Volks am Wohlstand noch der bildungsstarke und ökologische Umbau der Gesellschaft sind Gauck in irgendeiner Weise ernsthafte Anliegen.


Dieser untaugliche Kandidat spaltet die deutsche Gesellschaft, wo man auch hinschaut. Bei den Rentnern und Etablierten - die sich vom Wulff-Rücktritt erholen wollen - findet er Zustimmung. Bei den Jungen und Internetnahen, echten Bürgerrechtlern und Gutinformierten stößt er eher auf Ablehnung.


Cui bono? Wem nützen die demnächst zu erwartenden vorgestrig motivierten Reden Gaucks pro "Eigenverantwortung" und zum "Gürtel enger schnallen"? Damit meint er natürlich nicht Banker und Manager, sondern Normalverdiener, Rentner und Jugend.


Für einen Neoliberalen ist Freiheit immer nur seine eigene Ellenbogenfreiheit. Wohin das im Endeffekt führt, zeigt aktuell der Fall Schlecker.


Wer aber möchte bei solchem Vollideologentum künftig auch noch mit salbadernden Bundespräsi-Reden gequält zu werden? Am Besten wäre, man schaffte diese unsinnige, teuere "Amt" einfach ab!


Jürgen Neitzel - 17.03.2012



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