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Phrasenbausteine statt eigenständiger Gedanken

Staatsamtsträger - zu oft ein Bild des Jammers


23.05.2006 - jn


Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), bietet ein bestürzendes Bild für die Politik der großen Koalition. Ein Interview im Deutschlandradio Kultur zur besten Morgenzeit (7:55 Uhr) besteht bei ihr nahezu ausschließlich aus vorgestanzten Wortbausteinen. Beispiel-Zitate: "Wir sind uns um den Ernst der Lage sehr bewusst und sehen, es gibt leider immer wieder schreckliche Einzeltaten..."


"Und ich glaube, man sollte jetzt nicht einen einzelnen Fall hochstilisieren sozusagen als ein Beispiel, sondern hier geht es darum, in der gesamten Breite gegen Extremismus zu wirken...". Handeln erwartet sie selbstverständlich nicht vom Staat, also von Amtsträgern wie ihr selbst, sondern (Zitat) "Hier sind sicherlich an erster Stelle das Elternhaus und die Schule und die Jugendarbeit gefordert."


Leeres Phrasendreschen ersetzt Seriosität


Ob es um Bewertungen der Lage des Rechtsstaats geht oder um die zu treffenden Maßnahmen: alles wird mit einer Sauce aus Phrasen und Versatzstücken abgehakt und beiseite geschoben. Die laut Bundesverfassungsschutz-Bericht im Jahresverlauf um registrierte (!) 27% gestiegenen rechtsextremen Gewalttaten sprich Körperverletzungen sind in diesem "Schablonensprech" nur lauter "schreckliche Einzeltaten".


Von persönlicher Nachdenklichkeit und von Gespür für die aktuellen Probleme der Ausländer-Integration (ihr Job) findet man in ihren Äußerungen keine Spur. Ein Staat, der sich solches verantwortungsloses Spitzenpersonal leistet, ist dabei, sich ad absurdum zu führen. Wo soll die Glaubwürdigkeit von Politikern herkommen, wenn Repräsentanten unseres Staates keinerlei eigene Gedanken aufweisen sondern nur leeres Gerede aus Platitüden präsentieren (können?). Ja, ja, es versteht sich von selbst, dass es bestimmt daran liegt, dass sie eben einmal "einen schlechten Tag" hatte, so wie wir alle, nicht wahr?


Parteien-Demokratie als klägliches Schauspiel


Nicht nur im Wahlkampf, sondern nun selbst im Alltagsgeschäft bietet das Spitzenpersonal unserer "Parteien-Demokratie" ein klägliches Schauspiel. Seit dem Wechsel zur "Großen Koalition" ist es eher noch schlimmer geworden. Ganze Medien-Interviews und Talkshow-Verlautbarungen enthalten keinen einzigen seriösen Gedanken. Sind die nicht mehr dazu imstande, fragt man sich erschrocken. Oder haben sie es schlicht nach eigenem Ermessen nicht mehr nötig? Wenigstens den Anschein "ehrlicher Arbeit" sollten sie als "Sozialgeld-Empfänger" mit 12 Tausend Euro monatlich an "DIÄTEN" doch leisten. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Böhmer gibt nur ein besonders krasses Beispiel dafür. Sie ist mitnichten ein "Einzelfall"!


Dass folgerichtig immer weniger Bürger sich an Wahlen beteiligen, ist dann nur ein Symptom einer hausgemachten Krise der Demokratie wie der Nation. Und dieses Schwächeln der Demokratie wächst mit der Hohlheit ihrer Repräsentanten bzw. deren öffentlichen Auftritten. Ist ein Verteidigungsminister Jung denn besser, der mit dünnsten Argumenten den Einsatz von Soldaten bei der Fussball-WM fordert, oder ein Arbeitsminister Müntefering, der so vollmundig wie sachlich ungerechtfertigt von "explodierenden" (sic!) Hartz4-Kosten daherredet?


"Dieses unser Land" (Helmut Kohl) ist auf schlechtem Wege! Und dabei brauchen wir laut Horst Köhler doch nichts nötiger als "Glauben an uns selbst".


Und wer"s nicht glauben will, der lese selber: Böhmer-Interview DRadio Kultur 23.05.2006.


Jürgen Neitzel - 23.05.2006



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