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Big Brother mit Argusaugen und Richtmikrofon

Mini-Hubschrauber verfolgt Passanten zwecks Überwachung


13.06.2007 - ms

Karrikatur: Schäuble in der Psychiatrie

Big Brother is watching You! An die allgegenwärtige Beobachtung auf öffentlichen Plätzen und Straßen haben sich die Briten inzwischen schon gewöhnt. Doch nun holen "Sicherheits"-Fanatiker im Land mit der weltweit größten Dichte an Überwachungskameras zum nächsten Schlag aus: Nachdem Kameras bereits mit Lautsprechern ausgestattet sind, sollen sie künftig auch noch Richtmikrofone erhalten.


Selbst ein hochrangiger Polizei-Offizier hatte vor dieser Entwicklung und ihren möglichen Auswirkungen auf die Demokratie gewarnt. Doch im Vereinigten Königreich störte das anscheinend kaum jemanden. Zu alltäglich ist "Big Brother" dort bereits bei der Arbeit.


Wer in der Fußgängerzone seine Zigarettenkippe einfach auf den Boden wirft, den sprechen Mitarbeiter der Stadtverwaltung vom Video-Kontrollraum aus freundlich an. Sie bitten ihn, den Müll ordnungsgemäß zu entsorgen.


Vielen sauberkeitsbewussten Zeitgenossen mag diese Möglichkeit durchaus gefallen. Schließlich könnte man so erhebliche Kosten für die Stadtreinigung sparen. Doch die viel höheren Kosten für die Demokratie muss man hier mindestens genauso beachten!


Derzeit arbeiten Ingenieure nach einen Hörfunk-Bericht nicht nur an einer Ausstattung der Kameras mit fernsteuerbaren Richtmikrofonen, sondern sogar an einer beweglichen Überwachungseinheit. Das Gerät sieht aus wie ein winziger Hubschrauber. In größerer Höhe fliegt es ferngesteuert über der Straße dahin und verfolgt gezielt Personen auf ihrem Weg. Videobilder und die akustische Aufnahme ihrer Geräusche per Richtmikrofon sind das Ziel dieser Entwicklung.


Die – sicherlich nicht geringen – Investitionen tätigen die beteiligten Entwickler freilich nur, weil sie eine spätere Vermarktung dieses Geräts erwarten. Mit dem Mini-Helikopter könnten die Überwacher dann das Gespräch zweier Passanten auf der Straße lückenlos belauschen und sie auf ihrem Weg durch die Stadt bis vor ihre Haustür verfolgen. Dagegen war George Orwells Horrorvision "1984"beinahe noch harmlos!


Besorgnis erregt, dass die britische Überwachungspraxis mit einigem Zeitverzug meistens auch in Deutschland ankommt. Um seine undemokratischen Ziele durchzusetzen, schürt Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hier eine regelrechte "Sicherheits"-Hysterie. Seit mehr als einem Jahr treibt der CDU-Politiker Woche für Woche immer eine neue "Terror"-Sau durchs Dorf der brav berichterstattenden Berliner Journaille. Nach Käfighaltung für Demonstranten und einer Geheimdienst-Überwachung angeblich gewaltbereiter Autonomer sowie einer Fingerabdruck-Datei aller Ausländer und nicht zuletzt der am Dienstag (12. Juni) bekannt gegebenen Zusammenschaltung aller Europäischen Polizei-Datenbanken käme Schäuble das britische Gerät sicherlich auch nicht ungelegen. Bundeswehr-Tornados können beim Überflug über ein Camp von Gipfel-Gegnern schließlich nur Bilder fotografieren, aber keine Gespräche aufnehmen!


Das Wort "Obrigkeit" bekommt nach solchen Überwachungs-Angriffen aus der Luft einen neuen Sinn. Es lebe die Wiederauferstehung von Preußens Gloria!


Warum eigentlich haben Hunderttausende in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1989 mit mutigen Demonstrationen die Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit (MFS) abgeschüttelt? Warum nehmen die Menschen die Einschränkung ihrer Freiheitsrechte scheinbar willenlos hin?


Es kann nur einen Grund dafür geben: Wahrscheinlich ist westliche Überwachung halt doch irgendwie besser als StaSi-Schnüffelei!


Matthias Schulz - 13.06.2007



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