Sie sind hier: Startseite > Demokratie > Detailansicht



Text Aufstieg und Fall im Staat Peterland anzeigen

Aufstieg und Fall im Staat Peterland

Das "Peter-Prinzip" in der Politik


04.05.2007 - FJH


"Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln." Diese alte Volksweisheit bewahrheitet sich leider immer wieder auch in der Politik. Längst ist auch dort das "Peter-Prinzip" eingezogen.


Freilich funktioniert die Negativ-Auslese dort anders als in der Verwaltung. Oft drängen ja gerade solche Menschen in die Politik, die anderswo gar keine echte Chance hätten. Nicht zuletzt wegen dieser "kompetenten" Konkurrenz können sich unfähige Leute gerade in der Politik häufig durchsetzen.


Das Peter-Prinzip beschreibt die Art, wie Menschen in einem bürokratischen System Karriere machen: "In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“

Diese Beförderungs-Struktur wurde 1969 von Laurence J. Peter und Raymond Hull in ihrem Buch "The Peter Principle" beschrieben. In einer Hierarchie steigt demnach jemand auf, wenn er gute Leistungen erbringt. Seine Vorgesetzten sind mit ihm zufrieden und befördern ihn deshalb immer weiter nach oben, weil er ihre Erwartungen erfüllt. Schließlich erreicht er den Posten, für den er optimal qualifiziert ist.


Da er hier weiterhin ganz hervorragende Leistungen zeigt, wird er weiter nach oben befördert. Erst ein, zwei oder gar drei Stufen weiter oben fällt auf, dass der Inhaber für diesen Posten nun nicht mehr hinreichend geeignet ist.


Diese Karriere-Struktur beschreibt das "Peter-Prinzip" fast wie ein Naturgesetz. Viele Zeitgenossen werden dieser Beobachtung sicherlich auch unumwunden zustimmen. Die Erfahrung im Behörden-Alltag geht dann aber noch weiter.


Dort stellt sich bald die Frage, wie man unfähige Leute loswerden kann. Eine beliebte "Lösung" ist das "Weg-Loben": Kollegen oder Vorgesetzte schieben den unqualifizierten Mitarbeiter an eine andere Stelle ab.


Meistens ist damit aber eine weitere Beförderung verbunden. So erreichen etliche schließlich einen Posten, für den ihre Qualifikation absolut nicht mehr ausreicht. Der Gipfel ihrer persönlichen Karriere stellt gleichzeitig oft auch den Gipfel ihrer persönlichen Inkompetenz dar. Gerade auf vielen höheren Positionen sitzen am Ende völlig unfähige Leute!


Dieses Prinzip gilt auch in der Politik. Dort ist es zudem noch verzahnt mit persönlicher Eitelkeit und Machtgier. Hier zählen neben den Leistungen auch die "Verbindungen" und "Netzwerke", die ein Mensch im Laufe der Jahre zum Wohle seiner weiteren Karriere aufgebaut hat. Dahinter stehen fachliche Eignung und Kompetenz häufig zurück.


Erkennbare Beispiele für die Verwirklichung des "Peter-Prinzips" in der Politik werden Interessierte leicht finden. Tagtäglich stehen sie allen ja im Fernsehen vor Augen. Tagtäglich ist von ihnen im Radio zu hören oder in den Zeitungen zu lesen. Mit vielen wohlklingenden Worten möglichst wenig zu sagen, ist die einzige Kunst, die fast alle arrivierten Politiker gnadenlos beherrschen.


Prominenteste Personifizierung des "Peter-Prinzips" in der Politik ist sicherlich der amtierende US-Präsident George W. Bush. Über seine fragwürdige Qualifikation für das Präsidenten-Amt brauchen Kritiker wohl kaum ein Wort zu verlieren: Sie besteht vor allem in seinem Namen und der vorausgegangenen Amtszeit seines Vaters George Bush im Weißen Haus. Ein wenig Beten und ein paar markige Worte würzen diese "herausragenden Fähigkeiten" noch so, dass viele einfachere Geister das Ganze grandios finden.


Funktioniert hat diese Mischung freilich nur, bis sich der von Bush junior angezettelte Irak-Krieg als militärisches und politisches Fiasko erwies. Umweltpolitisch scheint der Mann im Weißen Haus entweder halsstarrig oder begriffsstutzig zu sein. Jedenfalls sieht er offenbar nicht die deutlichen Warnungen an der Wand.


Doch hinter ihm sitzt ja ohnehin sein Vizepräsident. Dich Cheney scheint der eigentliche Machthaber im Weißen Haus zu sein. Ihn hat allerdings nicht das "Peter-Prinzip" dorthin gespült. Er ist auf einem anderen verbreiteten Weg zur Macht gekommen: Vorteilsnahme!


Freilich hat er sich nicht bestechen lassen. Er selber ist ja der Lobbyist, der der Regierung seine Interessen einflüstert!


Diese Methode einer Öffnung der Verwaltung für Lobby-Vertreter soll inzwischen auch in deutsche Ministerien eingezogen sein. Dort freilich sitzen die Lobbyisten nicht auf so hohen und so gut sichtbaren Posten wie der US-Vizepräsident. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass sie deswegen keinen Einfluss hätten!


Seinen enormen Einfluss verlieren wird wohl sehr bald schon der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert. Die Kritik der Winograd-Kommission an seinem Verhalten im Vorfeld des Angriffs auf den Libanon ist erschütternd. Heftiger hat wohl kaum jemals eine amtliche Kommission einen amtierenden Regierungschef kritisiert.


Gemeinsam mit Olmert stürzen wird dann wohl auch sein "Verteidigungsminister" Amir Perez. Ebenso wie Olmert hat auch er sich völlig unbelastet von jeglicher strategischer Finesse in den Libanon-Krieg geworfen. Zur Strafe dafür wird das israelische Volk und auch seine Arbeiter-Partei ihn demnächst wohl aus seinem Amt werfen.


Noch haben beide ihren Sturz verhindern können. Doch hunderttausende demonstrierender Bürgerinnen und Bürger werden den Druck wahrscheinlich so verstärken, dass spätestens nach der Veröffentlichung des Abschluss-Berichts der Winograd-Kommission kein Halten mehr sein wird. Da wird Perez auch die realitätsferne Beteuerung nichts nützen, der Zwischenbericht der Kommission habe sogar lobende Worte für ihn gefunden.


Ein peinliches Lob für seinen Amtsvorgänger Hans-Karl Filbinger förderte am Mittwoch (11. April) bei einem Staatsakt in Freiburg die wirkliche "Eignung" Günther Oettingers für das Amt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten zutage. Der CDU-Politiker wollte den einstigen Nazi-Marinerichter posthum zum "Nazi-Gegner" umwandeln. Doch dieser Versuch ist ihm gründlich misslungen!


Erst nach dieser peinlichen Rede kamen weitere Äußerungen Oettingers ans Tageslicht, in denen er beispielsweise die angebliche Notwendigkeit von "Reformen" damit begründete, dass es "leider" ja "keine Kriege mehr" gebe. Was dereinst die Waffengänge geregelt haben, müsse der Staat nun durch "Reformen" erreichen. Möchte der Mann etwa die Menschen in diesem Land mit Hilfe seiner "Reformen" umbringen?


Anstoß erregt derzeit auch ein anderer Plan Oettingers: Den Chef seiner Staatskanzlei in Stuttgart möchte er – wohlmöglich auch nach dem "Peter-Prinzip" – ins Direktorium der Deutschen Bundesbank abschieben. Dieses Gremium hingegen hält Rudolf Böhmler nicht für geeignet für diesen Posten. Dennoch wird der Bundesrat die Berufung des baden-württembergischen Staatssekretärs wohl durchsetzen. Es lebe das "Peter-Prinzip"!


Bei so viel Inkompetenz könnte einem angst und bange werden. Aber die Demokratie weiss Rat: Denn natürlich arbeitet heute kein einflussreicher Politiker mehr ohne Berater.


Aber diese Einflüsterer und Kofferträger wählt sich der Politiker selber aus. Oft sind es gleichgesinnte "Seilschaften" aus den Anfangstagen des politischen Engagements der Mächtigen, die so in die Amtsstuben und die Vorzimmer der Macht gelangen.


Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber brachte Markus Söder so ins Amt des CSU-Generalsekretärs. Sein hessischer Amtskollege Roland Koch hatte gleich eine ganze "Tankstellen-Connection" im Schlepptau. Im Hinterzimmer der Autobahn-Raststätte Wetterau hatten sich die Nachwuchs-Politiker der Jungen Union (JU) dereinst in die Hand versprochen, im Falle einer weiterführenden politischen Karriere einander die Steigbügel für weitere Macht-Sprünge zu halten.


Einen Macht-Sprung wegen des krankheitsbedingten Rückzugs seines Amtsvorgängers Mathias Platzek hat Kurt Beck gemacht. Er ist ein geradezu idealtypisches Beispiel für das "Peter-Prinzip": Als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident wirkte Beck bodenständig und besonnen. Er erweckte den Eindruck, er sei diesem Amt gewachsen. Doch als Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) wirkt er überfordert.


Sein Vorschlag für eine Einbeziehung kompromissbereiter Taliban in die afghanische Regierung oder seine Aufforderung, ein Erwerbsloser solle sich doch erst einmal waschen, machten ihn zu einer lächerlichen Witzfigur.


Noch weniger ernst nehmen viele den amtierenden Bundeswirtschaftsminister. Michael Glos profitierte ebenfalls vom Rückzug eines anderen, der ursprünglich für das nun von ihm ausgeübte Amt vorgesehen war. Als Edmund Stoiber beschloss, bayerischer Ministerpräsident zu bleiben und nicht weiter aufzusteigen auf der politischen Karriereleiter, da spülte es ganz unerwartet den damaligen Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im deutschen Bundestag auf den Ministersessel. Dort sitzt er nun und äußert sich zu diesem und jenem Thema.


An Stoiber kann man ein anderes Prinzip politischer Führung beobachten, das Fehlleistungen geradezu provoziert: Häufig umgibt sich ein Politiker mit Leuten, die seine Meinung teilen. Oft sind das charakterlose Ja-Sager, die alles "großartig" finden, was ihr "geliebter" Meister sagt.


Vielen Mächtigen sagt man auch nach, sie seien "beratungsresistent". Gewöhnung an Macht stumpft anscheinend stark ab gegen Kritik. Und sie verringert offenbar den Respekt gegenüber "Niedrigeren". Bezeichnend dafür ist die Benennung dieser Entourage mit dem Wort "Sherpas". Denn die Sherpas waren die Rucksack-Träger wagemutiger Expeditions-Teilnehmer auf Kletter-Touren im Himalaya.


Hoch hinaus möchten die meisten Macht-Politiker auch. Dort oben treffen sie dann auf Beamte, die diesen Politikern zuarbeiten. Diese Beamten aber sind zumeist natürlich auch wieder durch das "Peter-Prinzip" dorthin gelangt!


Franz-Josef Hanke - 04.05.2007



© 2006 by  HU-Ortsverband Marburg