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Ratzinger muß für "irische Verhältnisse" geradestehen

Rücktritt muß auch in einem absolutistischen Staat möglich sein


23.02.2010 - dp


Jeder Behördenleiter, Politiker und Träger öffentlicher Verantwortung muß geradestehen für das, was in seinem Hause passiert. Und wenn die Vergehen der eigenen Organisation so schwer wiegen wie im sich ausweitenden Skandal um den Mißbrauch Schutzbefohlener in kirchlich geführten Einrichtungen, kann es keine Alternative zum Rücktritt Benedikts XVI. geben.


Das Ausmaß des katholischen Kindesmißbrauchs in Deutschland erinnert an irische Verhältnisse. In Irland wurden über die letzten Jahrzehnte tausende von Kindern systematisch geprügelt und sexuell mißbraucht, wie in einer Studie der irischen Kommission zur Untersuchung von Kindesmissbrauch (Commission to Inquire into Child Abuse) berichtet wurde.


Josef Ratzinger ist das Oberhaupt des letzten absolutistischen Staates in Europa. Damit befindet er sich in der Gesellschaft der politisch rückständigen Staaten Brunei, Saudi-Arabien, Swaziland, Katar und Oman.


Der internationale Status des Vatikan als Staat ermöglicht diesem mit weiteren "Brüdern im Geiste" durch Stimmenmacht die Blockade von lebenswichtigen Gesundheitsprogrammen der Vereinten Nationen (UNO) beispielsweise zur HIV-Bekämpfung, Verhinderung unerwünschter Schwangerschaften und Abtreibung in der 3. Welt zu blockieren.


In Anbetracht dessen, dass der staatliche Status des Vatikan anachronistisch ist und fallen muß, sollte die Position Ratzingers als absolutem Herrscher im Vatikanstaat ihn nicht davor schützen können, Verantwortung für die sich ausweitenden Skandale massenhaften Kindesmißbrauchs durch Rücktritt zu übernehmen.


Der Vatikan als kirchliche und staatliche Institution hat nachhaltig sein Vertrauen in der Gesellschaft verspielt. Daher kann die Religion in der Schule keine Vorbildfunktion mehr ausüben. Der Religionsunterricht ist in seiner jetzigen Form durch einen Lebenskundeunterricht ohne Abmeldemöglichkeit zu ersetzen.


Gesetze, die dieser Forderung im Wege stehen und auf das im Dritten Reich mit der Nazi-Diktatur vom Vatikan beschlossene Abkommen zurückgehen, sind endlich abzuwickeln.


Die Mißbrauchsfälle zeigen ohnehin, dass das kirchliche Statement, die christliche Religion sei in der Moderne angekommen und unterscheide sich relevant im Menschenbild von der islamischen Religion, faktisch nicht glaubwürdig ist.


Das Ratzinger sich in seiner bisherigen Amtszeit kaum Meriten erwerben konnte belegen die Ausführungen des Berliner Politologen und Publizisten Prof. Dr. Otto Kallscheuer und des Münsteraner Sozialethikers und Religionssoziologen Prof. Dr. Karl Gabriel - sie zogen eine überwiegend negative Bilanz nach fünf Jahren Benedikt XVI.


Der amtierende Papst kann es nun nicht mehr mit netten Worten und wohlfeilen Gesten richten - er muß die Konsequenzen ziehen.


Dragan Pavlovic - 23.02.2010



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