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Bänker plündern Ahnungslose aus

Zunehmende Kritik an Banken-Praktiken


23.10.2006 - jn


Statt zum Wohlstand des ganzen Landes beizutragen, fallen immer mehr Banken als skrupellose Vernichter von Existenzen auf. Kleinere Unternehmen erhalten wegen der hohen Hürden der "Basel-II"-Richtlinien die nötigen Aufbau-Kredite nicht. Unerfahrene Studenten werden mit falschen Angaben zur Studienfinanzierung betrogen. Geringverdiener erhalten rechtswidrigerweise keine Konten oder werden durch "verdeckte Umschuldungen" zu Wucheropfern.


Wege in private Schuldenfallen


Der Weg in die Schuldenfalle kann - siehe der Fall Leo Kirchs - beinahe jede oder jeden treffen. Es genügt, dass man mit Geld-Ausgeben leichtfertig war - oder noch ist - und sich fatalerweise überreden lässt, fahrlässig aufgelaufene (Kredit-)Schulden von einem Banken-Berater "umschulden" zu lassen.


Nur wer vorgewarnt ist, beispielsweise durch Lesen der Süddeutschen Zeitung vom 21.10.2006, schreckt zurück vor sogenannten "Restschuldversicherungen". Diese Versicherungen sollen den Kredit für die Bank absichern. Aber sie machen häufig den "Kunden" durch Effektiv-Zinssätze mit Wucher-Charakter arm. Das zum Beispiel hat Udo Reifner, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg, kürzlich aufgedeckt. Der 58-Jährige Jurist und Ökonom mit Gewissen fordert seit Jahren eine "verantwortliche Kreditvergabe".


Der nur für die Kunden-Opfer folgenreiche Missbrauch des "Privatkundengeschäfts" hat in den USA eine längere Tradition als in Deutschland. Während in den 90er Jahren in Deutschland Privatbanken sich aus dem für sie - angeblich "nichts einbringenden" - Privatkonten-Geschäft zurückzogen, häufte die finanzstärkste Bank der Welt, die New Yorker Citibank, gerade mit Privatkrediten immer neue Reichtumsgebirge auf ihre Konten.


Das sah irgendwann sogar der hiesige Banken-Platzhirsch, die Deutsche Bank. Sie suchte nach neuen Geschäftsmodellen und fand dabei diese bis dato entgangene Riesenrenditechance. Das branchenübliche Rudelverhalten tat ein Übriges.


Studenten im Fadenkreuz von Kredit-Kraken


Seit die fleißig von spendablen, bauchpinselnden Lobby-Beratern umschwirrten deutschen Landespolitiker fast überall das Hochschulstudium mit "unverzichtbaren" Studiengebühren-Modellen "beglücken", haben viele Betroffene ein Finanzierungsloch. Studienkredite sollen aushelfen. Denn angeblich haben fertige Akademiker ja ein sicheres gutes Einkommen und damit ein vergleichsweise nur geringes Risiko der Erwerbslosigkeit.


Nur naive Optimisten, von denen es in der betreffenden Altersgruppe aber - evolutionsbiologisch bedingt - offenbar viele gibt, glauben das ohne Weiteres. Von der "Generation Praktikum" ist schließlich die Medien rauf und runter die Rede gewesen.


Den routinierten Tricks extra auf sie angesetzter Banken-Berater haben diese jungen Leute aber mangels Erfahrung wenig entgegenzusetzen. Der AStA Marburg hat, nachdem ihn zunehmend Berichte von unseriösen Beratungen erreicht hatten, diese im Selbstversuch überprüft. Seither warnt die Studentenvertretung in einer offiziellen Pressemitteilung Nach Falschberatung in der Schuldenfalle? vor den unseriösen Praktiken - in Überschuldung führender - "Studentenberater" der Deutschen Bank vor Ort. Obwohl Studienanfänger oft nicht zu den Unterprivilegierten gehören, reicht ihre Unerfahrenheit und die ihrer Eltern oft genug aus, sich zu schrecklich folgenreichen Vertragsunterschriften schlicht "überreden" zu lassen.


Die Theaterlandschaft hat aktuell zu diesem Thema ein echtes "Hai-light" aufzuweisen: das 2005 in Wien uraufgeführte Stück von Kathrin Röggla, "Draußen tobt die Dunkelziffer". Es handelt von der Situation der Menschen, die aus Überforderung oder Ignoranz in Überschuldung geraten sind, und von ihren Gegenparts und Geldgebern. Die Atmosphäre der Marburger Inszenierung von Heike Scharpff ist heftig emotional. Es droht, dass die frühere schlimme Ausnahme immer öfter zum Regelfall werden kann, jeden Zuschauer könnte es treffen. Studiengebühren-Kredite und Hartz4 sind da nur zwei Facetten einer Medaille.


Versagen von Politik und Schulen

Dass ein großer Teil der deutschen Jugendlichen Probleme hat, die teuren Handy-Kosten und die von der Werbung angeheizten Konsumwünsche realistisch in den Griff zu bekommen, ist nicht nur vielen Eltern leidvoll bekannt. Ganz vereinzelt, z.B. im Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW), gibt es seit ein paar Monaten sogenannte "Finanz-Scouts". Das sind pi mal Daumen 16-jährige Jugendliche, die nach einer Kurz-Schulung durch Fachleute der Verbraucherzentralen auf Anfrage hin in die Schulen und Jugendclubs in ihrer Stadt kommen, um Erst-Aufklärung in Sachen Geld- und Kreditrisiken zu vermitteln. In lockerem Frage-Antwort-Spiel und Jugendjargon werden vorgefundene Problemfälle angesprochen.


Klingt doch hübsch, denkt man erst einmal. Dann erst bohrt der Verstand durch die Lackschicht: Warum ist das nicht längst Pflicht der Schul-Verantwortlichen? Weshalb wird das als bloßes Spielfeld ausgerechnet für "Ehrenamtliche" mit äußerst knapper Qualifikation aufgezogen? Sollen diese "Pioniere" etwa nur den Boden bereiten für ganz anders geartete Spezies? Und wieso ist auch das wieder nur ein von vornherein zeitlich begrenztes, experimentelles "Projekt"? Wer da an Zufall glauben will, bei dem hat das Nachdenken ausgesetzt.


Vertreter der Wirtschaftsverbände und CDUler fordern doch seit Jahren ein eigenes Fach "Wirtschaftskunde". Wieweit das dann im Endstadium einer Art Weltanschauungs-Katechismus ähneln könnte, wagt die Phantasie gar nicht auszumalen. Wer nicht mindestens ein "Gut" erzielt, bekommt auch keine Lehrstelle? Aber nein, die gibt es ja schon lange nicht mehr in hinreichender Anzahl! Ach, alles nur "Schwarzmalerei"? Nein, auf ihrem ureigenen Stammland lassen sich Wirtschaftsverbände nicht übertreffen - nicht einmal von willfährigen Politikern.


Auch den Mittelständler trifft es immer öfter


Zum guten Abschluss noch ein besonders deftiges Feld des Missbrauchs, wo Banken ungehindert von deutschen - oder muss es schon heißen: europäischen - Gesetzgebern Existenz-Vernichtung in großem Stil an deutschen Mittelständlern betreiben. Die Rede ist von offenbar bisher unüblichen und unvorstellbaren, aber nicht ausdrücklich verbotenen Verkäufen von Schulden samt Kredit-Bürgschaften an derart spezialisierte ausländische Investoren. Bürgschaften als neuartiges "Himmelfahrtskommando" nach Banken-Art. Das kann einem die eigene Hausbank, mit der man jahrelang zu beiderseitigem Nutzen zusammengearbeitet hatte, urplötzlich einbrocken.


Nur sind diese "Aufkäufer" ausschließlich an schnellem Geld interessiert. Anders als regional verankerte Banken haben sie keinerlei "guten Ruf zu verlieren". Und so gehen sie mit allen Finessen zuwege, um den zuvor zumeist gar nicht überschuldeten Eigner einer werthaltigen Immobilie um sein Eigentum zu bringen. Mürbemachen gilt! Wer dem standhalten will, muss gesund und willenstark sein und kompetente Freunde besitzen. Nur allein, "allein machen sie dich ein!", wie es in einem Rocksong aus den 1970ern so treffend heisst.


Jürgen Neitzel - 23.10.2006



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