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Religionssucht ist schlimmer als "Internetsucht"

Online Bücher lesen als Laster?


28.09.2011 - dp


Laut der Studie Prävelenz der Internetabhängigkeit (PINTA I) der Universitäten Greifswald und Lübeck sind über eine halbe Million Menschen in Deutschland internetsüchtig. Der Autor der Studie, Suchtforscher Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck, gibt allerdings zu, dass es bislang keine wissenschaftliche Definition von Internetsucht gibt. Die Folgen seien aber angeblich vergleichbar mit denen von Alkohol- oder Drogensucht.


So sollen Abhängige rund vier Stunden täglich im Internet verbringen, gefährdete Personen rund drei Stunden. Fällt der Internetzugang weg, treten bei schweren Fällen angeblich Entzugserscheinungen auf.


Es ist bemerkenswert, dass nach dem politischen Erfolg der Piratenpartei bei der Wahl des berliner Landtags die "Internetsucht" nun als Suchterkrankung und Begriffsneuprägung etabliert werden soll. Viele Bücherliebhaber, Lektoren, Studenten und so manche Auszubildende und Schüler verbringen die vom Autor in der Studie genannte Stundenzahl fast täglich über Büchern gebeugt um wißbegierig zu lesen und zu lernen. Für so manchen gar ist der PC an der Arbeit Pflicht und verbringt auch den Feierabend das Internet nutzend freiwillig am Computer.


Nun soll die im Internet verbrachte Zeit die viele Menschen als abwechslungsreiche Wissensquelle nutzen als krankheitsverdächtig verunglimpft werden.
Internet und Computer sind ein universelles Medium geworden, das aktuell verschiedene Medien zusammenführt: Als Fernsehen, Radio, Telefon, Arbeitsinstrument und Freizeitmaschine zugleich bietet es durch aktive Kommunikation eine hervorragende Informationsdichte und Recherchemöglichkeit.


Mehr als fragwürdig ist daher die mangelnde wissenschaftliche Basis der Definition der Internetsucht. Schon wie bei der Defintion der "Hypersexualität" bemängelt, stellt sich die Frage ob nicht durch die Neuprägung eines Begriffs Politik gemacht werden soll. Die Definition der "Internetsucht" anhand der vor dem Computer verbrachten Zeit zu bemessen ist wie bei allen nicht stoffgebundenen Süchten umstritten.


Psychologen weisen zurecht daraufhin, dass sich hinter übertriebenen Online-Aktivitäten andere Erkrankungen verbergen können wie Depressionen und behandlungsbedürftige Persönlichkeitsstörungen. Allein der Verbleib der Arbeiter und Angestellten am acht-stunden Tag zeigt schon, dass die Arbeitssucht zuviele im Griff hat!


Woher kommt aber der Ursprung dieser Suchtrhetorik? Religiöse Fanatiker bedienen sich gerne der Rede von der Porno-, Sex- und Masturbationssucht um ihr gestörtes Verhältnis zur Sexualität publik zu machen. Überhaupt ist in deren Augen jede Ablenkung von den heiligen Schriften eine Verirrung. Jede mit Lust erlebte Passion jenseits der Gottesautoritätsverfallenheit und Religionssucht ist in den Augen dieser Gruppen eine unliebsame Konkurrenz - so gesagt um die Rhetorik einmal gegen die geistigen Urheber zu wenden.


In den monotheistisch-religiösen Texten ist ein "durchbrennen mit Gott" legitimiert und der Fanatismus geheiligt. Wer tritt dieser Form blinder Religionssucht entgegen?


Es ist an der Zeit die vermeintlich heiligen Texte so umzuschreiben, dass diese von ihrem intoleranten und extremistischen Gehalt bereinigt werden. Die Behauptung diese Texte seien "heilig" sind nur ein Trick um sie der Diskussion und berechtigten Kritik zu entziehen.


Wer etwas zum Thema lesen möchte, sei die Lektüre von Mathias Bröckers anempfohlen "Die Drogenlüge und der Sündenfall - Von der Erfindung der Drogensucht und des Süchtigen als Kranken und Kriminellen", von Florian Rötzer: "Der Krieg gegen die Raucher - Die Nikotingegner sind nicht nur einfallsreich, sie entwickeln auch religiöse Züge".


Über den Fanatismus der christlichen Religion liest man nach beim zeitgenössischen Philosophen M.S. Salomon "Du wirst dran glauben - oder Du wirst dran glauben" und "Leben ohne Gott: eine Entscheidung für den Menschen".


Aber passen Sie auf, dass Sie dabei nicht als Süchtiger ertappt werden!


Dragan Pavlovic - 28.09.2011



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