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Kein Massenmord ohne Waffen

Feuerwaffen gehören nicht in die Hände von Privatpersonen


26.07.2011 - dp


Eine wertvolle Maßnahme, um das Ziel einer weitreichenden Waffenfreiheit der Gesellschaft zu erreichen, stellt ein Verbot des Waffenbesitzes und der Produktion von Waffen für den privaten Gebrauch dar. Ein Schritt auf dieses Ziel könnte ein sofortiger Verzicht auf die Neuausgabe von Waffenbesitzscheinen an Privatpersonen sein.


Der Ruf nach dem starken Staat ließ nach dem Attentat im Osloer Regierungsviertel und auf ein Feriencamp der sozialdemokratischen Jugendorganisation Norwegens nicht lange auf sich warten.


Bereits am Montag (25. Juli) tauchten in Deutschland die ersten politischen Trittbrettfahrer auf.


Allen voran sprach sich der CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl vehement für die Einführung der Vorratsdatenspeicherung aus.


Zwar hatte das Bundesverfassungsgericht die Gesetzgebung dazu als verfassungswidrig kassiert, sodass die Bundesjustizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger das sogenannte "Quick-Freeze-Verfahren" vorgeschlagen hat, doch möchte Uhl mit aller Macht den verfassungswidrigen Vorschlag des früheren Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble erneut verwirklichen.


Dazu ist ihm anscheinend fast jedes Mittel recht. Sogar die ermordeten jungen Leute in Norwegen missbraucht er, um seine obrigkeitsstaatlichen Vorstellungen einer Generalüberwachung aller Internetnutzer lautstark an die Öffentlichkeit zu tragen.


Fast vorbildlich wirkt dagegen die Aussage des norwegischen Ministerpräsidenten. Jens Stoltenberg beteuerte, dass sein Land sich auch durch die Attentate seine "offene Gesellschaft" nicht werde kaputt machen lassen.


Ein Verbot jeglichen privaten Waffenbesitzes würde die Offenheit der Gesellschaft allerdings nicht in Frage stellen. Können Sportschützen nicht auch mit Lichtstrahlenauf elektronische Zielscheiben schießen? Brauchen Jäger andere Waffen als Schrotflinten?


Die klassichen Treibjagden sind ein sehr grausames Ritual das in erster Linie die sadistischen Neigungen der Jäger befriedigt. Alternativ könnten moderne Fallen die Kontrolle des Wildbestands regulieren.


In jedem Fall sollte das viel zitierte "Gewaltmonopol des Staates" vollständig umgesetzt werden. Es ist doch schon schlimm genug, dass Polizeibeamte und Soldaten Waffen tragen und damit möglicherweise erhebliche Schäden anrichten!


Auf internationaler Ebene sollten die Konfliktlösungen ohne militärische Mittel vorangetrieben werden. Immer wieder erleben kriegführende Staaten, dass ehemalige Militärs ihre Kriegstraumata durch Gewalttaten in ihrer privaten Nachbarschaft "verarbeiten".


Rechtsradikalismus bei Polizei, Justiz und Geheimdiensten wurde durch den Radikalenerlaß und den kalten Krieg gefördert. Diese Gesinnungsgenossen ermöglichen durch "Wegschauen" überhaupt erst ein Wiedererstarken neofaschistischer Organisationen.


Die norwegische Antwort wirkt im ersten Moment zwar erstaunlich, hat aber vieles für sich. Eine offene Gesellschaft und das friedliche Miteinander der Menschen können Gewalttaten zwar nicht vollständig verhindern, führen aber zu einer wesentlich gewaltfreieren Gesellschaft.


Vermutlich waren es Gewaltphantasien fremdenfeindlicher Parteien und Organisationen die den Osloer Massenmörder Anders Behring Breivik zu seinem lange vorbereiteten Amoklauf bewegt haben. Gegen solche Einzeltäter ist in keiner Gesellschaft ein Kraut gewachsen. Gegen rechtspopulistische Gesinnung aber können die Menschen sich gemeinschaftlich verweigern.


Dragan Pavlovic - 26.07.2011



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